Volltext: Statistik der Römischen Ansiedelungen in der Ostschweiz

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heit das Castell von Schan als eine der auf der Peutinger’schen Tafel angegebenen Stationen Clunia 
und Magia betrachten. Auf dieser ist nämlich die Entfernung von Brigantium bis Clunia zu 17, von 
diesem Orte bis Magia zu 18 und von hier bis Curia zu 16, mithin von Brigantium bis Curia zu 
51 Meilen angesetzt. Nun beträgt aber die wirkliche Länge der Strasse, die Biegungen derselben 
mitgerechnet, zwischen diesen zwei Ortschaften nicht 51, sondern ungefähr 56 römische Meilen, und 
es ist demnach eine der Distanzangaben zwischen den Stationen falsch 1). Zählt man von Brigantium 
her, so fällt Clunia in die Gegend von Götzis, und Magia in diejenige von Schan; rechnet man aber 
von Curia an, so reichen die 16 Meilen für die Entfernung bis Magia etwa 4 Meilen bis jenseits 
Maienfeld und 16 +18 = 32 Meilen, für die Entfernung bis Clunia etwa 4 Meilen jenseits Schan. 
Es bleibt also immerhin eine Lücke von mehreren Meilen übrig. Für die Länge der ganzen Strecke 
von Chur bis Bregenz, nicht aber für Festsetzung der Stationen Clunia und Magia, liesse sich dadurch 
helfen, dass man die Zahl V in der Angabe XVI zwischen Magia und Curia in X verwandelte. Trotz 
der angeführten Schwierigkeiten halten wir Schan unbedingt für das alte Magia. Zu dieser Annahme 
ermuntert der Umstand, dass nach Kaiser’s Geschichte des Fürstenthums Lichtenstein (S. 158) sich 
ein königlicher Hof und eine königliche Herberge hier befand. Von Maienfeld, das man wegen einiger 
Namensähnlichkeit oft für Magia angab, darf darum abgesehen werden, weil sein älterer Namen 
Lupinum war, und nach der Versicherung der Bewohner des Städtchens und seiner Umgebung hier 
nie die geringste Spur von altem Mauerwerk oder römischem Geräthe gefunden wurde. ; 
Die nähere Kenntniss der Festung zu Schan, so wie das auf Taf. I. Fig. 7 mitgetheilte Plänchen 
verdanken wir den Bemühungen und der Freundlichkeit des Herrn Paul Immler zu St. Gallen. 
Das Castell hat, die an den Ecken vortretenden Thürme nicht gerechnet, der Strasse entlang 
eine Länge von 175‘ und eine Breite von 216‘. Von den 12‘ dicken Umfangsmauern, die mit acht 
viereckigen Thürmen verstärkt waren, hat sich nur ein Theil bis zur Höhe von 3—4' über dem 
Boden erhalten. Der westliche Theil des Castells ist gänzlich abgetragen und der Boden mit Häusern 
besetzt. Auf der Ostseite nimmt die alte St. Peterskirche einen Theil des Raumes ein, der andere 
noch unausgegrabene Theil ist mit Weinreben bepflanzt. Die Innenseite des Castells war durch 6‘ 
dicke Quermauern in drei Abschnitte getheilt. In dem westlichen befand sich die Cisterne (a). Im Mittel- 
raume entdeckte man aus römischen dachförmig aufgestellten Ziegeln errichtete Gräber; an einer 
andern Stelle des Castells 6 —8 Mühlsteine. 
Die Bekleidung der Mauern ist überall abgebrochen und zum Bau von Häusern verwendet worden. 
Von einem Graben längs der Mauer ist keine Spur zu entdecken. 
An der Westseite des Castells führte die römische Strasse vorbei. 
In mehreren Schriften, neuestens wieder in dem Rechenschaftsbericht des Museumsvereins von 
Bregenz, Jahrg. 1861, wird die Heidenburg bei Gävis für Clunia ausgegeben. Abgesehen davon, dass 
nach der Tabula Clunia von Bregenz 17 Meilen, Gävis aber 24 Meilen abliegt, verbietet der Umstand, 
die Heidenburg als eine Mansio zu betrachten, dass dieselbe auf einem Berggipfel steht, und eine 
Herberge für Truppen oder Etappe wohl in der Nähe von Bergfestungen, aber nie auf schwer zugäng- 
lichen Felsgipfeln vorkommt. UVebrigens halte ich diese von mir im Jahre 1860 untersuchten Trümmer 
!') Ich habe die Dufour’sche Karte zu Grunde gelegt und die römische Meile nach Hultsch, Metrologie, 1862, zu 
1.4787 Kilometer angenommen.
	        

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