Volltext: Fürstin Eleonore Liechtenstein

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lebhaftes Gespräch kam, leidenschaftlich oder zornig wurde, 
war sie wahrhaft hinreißend und ihrem schönen Munde ent- 
quollen die holden Klänge der Gunst und Freude, wie die 
scharfen Worte des Witzes und Spottes. 
Eleonore gehört der zweiten Hälfte des achtzehnten 
Jahrhunderts an, aber ihre Bildung wurzelte in der Cultur 
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts und war deßwegen 
durchaus französisch. Ihre wissenschaftliche Erkenntniß zeigte 
viele Lücken. Sie verstand wenig von der bildenden Kunst, 
wenig von der Musik und noch weniger vom Naturwissen ; 
nur in der Geschichte und Literatur hatte sie ein gründliches 
und umfangreiches Wissen, und auch das hat sie sich nicht 
im Kloster zu Straßburg, sondern durch eine fleißige, ernste 
und sorgfältige Lectüre erworben. Nicht leiht haben zwei 
Frauen in jener Zeit so viel gelesen als Eleonore und ihre 
Schwester die Gräfin Kaunitz. Sie fingen von der französi- 
schen Lectüre an, endeten mit den deutschen Classikern und 
haben damit die ganze literarische Bildung ihrer Zeit durc- 
messen. Eleonore las in jungen Zahren die Sevigns, Bos- 
suet und Fenelon, später Voltaire, Chateaubriand, die Staöl, 
nur Rousseau ist ihr zeitlebens fremd geblieben. „I< danke 
Gott, sagte sie 1806, daß ich niemals die Werke dieses 
verführerischen Autors gelesen habe; mein Abbes hielt mich 
immer davon zurück; er hätte mir eher Voltaire erlaubt.“ 
Im Wiener Verkehr lernte sie zwar deutsch; aber sie ver- 
mochte sich darin nur unvollkommen und schwer auszudrücken, 
und wenn sie auch später die besten Werke der deutschen 
Liteyatur kennen gelernt hat, den tieferen Gehalt derselben 
hat sie nicht erfaßt, so wenig wie den Wohllaut, die Kraft 
und Innigkeit der deutschen Sprache. Sie erkannte dies und
	        

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