Volltext: Fürstin Eleonore Liechtenstein

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heimnissen der Politik erfuhr , desto erregter wurden ihre 
Stimmungen und Gefühle. Das österreichische Volk hatte 
in allen Schichten einen tiefen Franzosenhaß bewahrt und 
alte Soldaten, wie Marschall Bellegarde und Rosenberg, 
jagten offen: daß Napoleon Oesterreich nur in's Verderben 
reißen wolle. Gent erzählt in seinen Tagebüchern von einem 
antibonapartistischen Club, an dem er Theil genommen. 
Metternich kannte diese Stimmungen wohl; er sagte am 
Tage des Bündnisses, den 14. März 1812: „Es gibt in 
Oesterreich nur zwei Männer, welche damit einverstanden 
sind, der Kaiser und ich." Aber der Staatskanzler verhielt 
sich sehr schweigsam und vorsichtig. Nur spärliche und irrige 
Nachrichten kamen in's Publicum. Am 3. October verlas 
Metternich bei einem Diner das Bulletin über den Einzug 
der Franzosen in Moskau. Eleonore schrieb '): „Wer hätte 
ein solches Creigniß für möglich gehalten, welch' ein schre>liches 
Los, unter das Zoch dieses grausamen Despoten zu kommen. 
Das ist ein entsezlicher, verabsheuungswürdiger Krieg; Na- 
poleon verfolgt sein gewöhnliches Glü> und uns das ewige 
Unglüc.“ Sie hielt sich no< an den Satz Thuguts, daß 
die Hauptstadt niht die Monarchie ist und daß die Russen 
staudhaft bleiben würden. Am 24. October brachte die Für- 
stin Eßterhazy eine Nachricht, daß Napoleon von Moskau 
aufgebrochen und seine Armee geschlagen sei. Fürst Ligne 
verfündete shon damals den Untergang Napoleons. Aber 
niemand wollte daran glauben; man kannte nur die Lügen 
aus den deutschen und französischen Zeitungen. Wochenlang 
erfuhr man gar nichts; Kuriere kamen und gingen; erst 
1) An Josephine, 1., 9. October 1812 
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2. >
	        

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