Volltext: Fürstin Eleonore Liechtenstein

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sich ab. In der Stadt wurde am 12. Mai früh die weiße 
Fahne aufgeste>t, am Abend die Capitulation unterzeichnet 
und am 13. Mai rückten die Franzosen in die Stadt ein. 
Die Wiener hätten sich noc< gerne gewehrt. „Es fehlt“, 
sagt ein Augenzeuge, „diesem gutmüthigen, aber festsinnigen 
und tüchtigen Volke nur an der rechten Anführerschaft.“ Die 
Franzosen fürchteten eine sicilische Vesper und es schien keine 
unnübe Borsorge, daß der französische Commandant alle Ge- 
wehre, selbst die Luxus8waffen abliefern ließ. Die Theuerung 
wurde aroß, die Requisition des Feindes unerschwinglich. Es 
gab Häuser, wo die Einquartierung täglich 500 bis 600 fl. 
kostete ; s9 dem Fürsten Lobkowitz, dessen Palais Massena 
bewohnte, so Kinsky, Liechtenstein u. a. In den Pfingsttagen 
am 21. und 22. Mai eilte alles Volk auf die Basteien und 
horchte dem Kanonendonner, welcher von dem Schlachtfelde 
bei Aspern herüberrollte. Man flüsterte sich die Kunde zu, 
die Franzosen seien geschlagen und auf der Insel Lobau ab- 
geschnitten. Hätte damals ein österreichisches Armeecorps 
die Donau überschritten, hätte sich das Volk von Wien er- 
hoben, die französischen Heerestrümmer wären auf der Insel 
gefangen oder vernichtet worden, wie es einer der besten 
Marschälle der französischen Armee selbst zugestanden hat. 
Aber die ersten Tage nach dem Siege wurden versäumt, das 
Volk im Zaum gehalten, die Behörden selbst mahnten zur 
Ruhe und Woche für Woche verging ohne eine große, frie- 
gerische That. Napoleon war nach Schönbrunn zurückgekehrt 
und die Wiener hatten oft Gelegenheit, das kleine , graue 
Ungethüm, welches sie und die Welt in Screen hielt, zu 
betrachten. Napoleon war damals in einer krankhaften Un- 
ruhe und wie von einem dämonischen Zauber befangen. Wer
	        

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