Volltext: Fürstin Eleonore Liechtenstein

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Im nächsten Winter waren die Soir&en sehr belebt. 
Der Tod Friedrichs Il., das neue Regiment in Preußen und 
besonders die belgischen Angelegenheiten vegten das Gespräch 
an und es kam einigemale zu stürmischen Wortgefehten. Zm 
November hatten die kirchlichen Reformen in den Nieder- 
landen begonnen und durch die Ordonnanzen vom 1. Jänner 
1787 wurde die alte Provinzialverfassung, das Recht der 
Stände bei Seite geschoben und eine neue Administration 
eingeführt. In den ersten Monaten schien auch alles ohne 
Störung vorzuschreiten. Zm April reiste der Kaiser nach 
Südrußland, traf mit der Kaiserin Katharina in Cherson 
zusammen und begleitete sie auf der pomphaften Reise in die 
Krim, als er die Depesche erhielt, welche ihm den Wider- 
stand der Crabanter Stände und die Sistirung der Reformen 
durch den Generalstatthalter anzeigte. Nach seiner Rüfehr, 
am 1. Juli, besuchte er die Fürstin Eleonore in ihrem Hause. 
Er erzählte ihr in glänzender Schilderung seine Erlebnisse 
und eine Menge Anekdoten, erwähnte jedoch der Dinge in 
Belgien niht. Erst bei dem Fortgehen auf der Stiege ent- 
schlüpften ihm einige Worte, daß er dort Hindernisse gefun- 
den habe und in manchem in Verlegenheit sei; „aber sie 
spielen ein hohes Spiel“, fügte er hinzu. Eleonore ant- 
wortete ihm: die Güte und das Nachgeben schienen ihr das 
beste Mittel, weil er nur verlieren könne und die anderen 
Länder in den Ruin hineinziehen werde. Aber sie gerieth 
in Schre>en und Furcht, als sie in das Antlitz des Kaisers 
blickte. „I< glaubte“ , schrieb sie, „einen Löwen zu sehen, 
der mich verschlingen will.“ Einige Tage nachher in einer 
Soiree kamen die belgischen Verhältnisse abermals zur 
Sprache. Der Kaiser schien voll Feuer und Flammen , die 
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