Volltext: Fürstin Eleonore Liechtenstein

-- 104 - 
Stände über die Noth in Mähren und Nachmittag eine Revue 
über die Garnisonstruppen. Auch die Gräfin war hinausge- 
fahren und der Kaiser kam zu ihrem Wagen und sprach 
einige freundlihe Worte. Zu Mittag gab er eine Tafel 
und empfing dann Bürger und Bauern. Leopoldine schrieb 
darüber: „Die Leute drängten sich dazu und glaubten wohl, 
daß der Kaiser sie mit einem Rue aus ihrem Elend ziehen 
werde; im Ganzen war das Volk sehr zufrieden mit ihm, 
weniger der Adel, weil er Niemand sehen wollte *).“ Am 
3. October reiste der Kaiser ab und Leopoldine ging nach 
Austerlit zurü&. „Da bin ich wieder", rief sie aus, „in 
meinem lieben Austerlit und lache über die Welt und ihre 
thörichte Eitelkeit.“ Zm Spätsommer 1772 kam der Fürst 
Kaunitz für längere Zeit nach Austerlit, wie gewöhnlich mit 
einem Gefolge von Gesandten, Beamten und Frauen. Der 
Kanzler, der für seine Gesundheit immer so ängstlich besorgt 
war und in Wien selten in die freie Luft kam, wurde auf 
dem Lande lebendig, unterhielt seine Gäste, ging in den 
Park spazieren und ritt mit Herren und Frauen in den 
Wald. An seinem Geburtstage empfing ihn die ganze Sc<loß- 
gesellschaft in feierliher Weise und eine junge Fürstin Pic- 
colomini sprach einige schmeichelhafte französische Verse. Erst 
am 20. September kehrte er nach Wien zurü. 
Graf Ernst hatte seinen Vater um seine Verwendung 
angesprochen, daß er wieder na< Wien komme. Die Kai- 
jerin hatte ihm das goldene Vließ verliehen, aber der Orden 
konnte ihn nicht trösten über die Langeweile, die er bei seinen 
Geschäften und überhaupt in der Provinzstadt empfand. Er 
!) An Eleonore, 3. Octob. 1771. Brünn
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.