Volltext: Fürstin Eleonore Liechtenstein

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sie nicht schreiben. Zhr Mann machte einer Marquise Fag- 
niani aus Mailand, welche sein Bruder hatte heiraten wollen, 
den Hof, begleitete sie auf Bälle, in's Theater und fuhr 
öffentlih mit ibr spazieren. „I< möchte unter die Erde 
sinken", schrieb Leopoldine im Sommer 1768, „aber dennoch 
liebe ih ihn mehr als jemals; alles zerreißt mein Herz; ich 
bin glücklich, wenn er bei mir ist." Auch von dieser Qual 
wurde sie bald befreit, denn im December 1768 reiste die 
Fagniani fort, und wie man sagte, weil Graf Kaunitz sich 
mit ihr überworfen hatte. 
Ein frohes Ereigniß war für sie und den ganzen Hof 
die Ankunft des Kaisers Zoseph in Neapel. Er war von 
Wien plötzlich abgereist und wie man erzählte, um in Turin 
oder Modena eine Braut zu suchen, aber es waren ganz 
andere Gründe, welche ihn dazu bewogen: die Papstwahl und 
ver Wunsch seiner Mutter, die Königin zu besuchen. Am 
31. März kam er nach Portici und das erste Wiedersehen 
war wahrhaft rührend. Die Königin fiel ihm um den Hals 
und der König war mit ihm, als wenn er ihn sein Leben 
lang gefannt hätte. Der Kaiser wohnte in Portici und in 
Caserta bei den Kaunitz und verweilte nur einige Tage in 
Neapel; aber er bezauberte alle mit seinem offenen ehrlichen 
Wesen: das Volk, den Hof und die Gräfin Kaunitz, die ihm 
von dieser Zeit an eine grenzenlose Liebe und Verehrung 
widmete. „Die Königin“ , schrieb sie ihrer Scwester?), 
„will ihrem Bruder alles zu Lieb thun und er verdient es, 
denn er ist für sie voll Aufmerksamkeit und Gefälligkeit. Er 
gibt dem Könige und der Königin vortreffliche Rathschläge 
1) Portici, 7. April 1769.
	        

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