Volltext: Gutachten des Bauleiters der internat. Rheinregulierung k.k. Baurates F. Krapf über die Zulässigkeit der Ableitung der liechtenst. Binnengewässer auf öster. Gebiet

Gefälls- Die Gefällsverhältnisse in der obern, auf liechtensteinischem Gebiete liegenden, Kanal- 
verhältnisse. strec>e werden den neuen Wasserlauf auch befähigen, eine ziemlich große Menge Sinkstoffe 
thalab zu fördern; denn dort bewegen fich die Gefällsziffern zwischen 1.4 9/00 und 3.7 %/00. 
Nicht 10 aber in dem untern österreichischen Teil, wo das Sohlengefälle nach dem Projekte 
auf 0.46 2/00, und zwar ganz unvermittelt, sich vermindert. Jufolge dessen ist es auch gar 
nicht zu vermeiden, daß m der untern Kanalskrece bedeutende Sinkstossablagerungen stattfinden 
werden, daß also eine Hohlenerhöhung mit Gewißheit zu erwarten steht. 
Aber nicht ' einmal jenes geringe Gefälle von 0.46 9/00 steht zur Verfügung, was in 
Kürze dargethan werden yoll. 
Maßgebend für die Gestaltung der Gefällslinie am Ausflusse eines Seitengewässers 
in den Hauptfluß ist nicht die Sohle oder der Niederwasserspiegel des letzteren, am aller- 
wenigsten im vorliegenden Falle. Wegen der unmittelbar weiter unterhalb mit mächtiger 
Strömung einfallenden geschiebereichen JU wird der Rhein stets das linke Ufer bespülen, 
während rechts der Ausleitung des neuen Kanales eine KieSbank vorgelagert bleibt, die der 
Kanal mit seiner unbedeutenden ' “trömung nicht zu durchbrechen vermag. Man sieht dies 
zZ. B. auch an der Fruß, eines Wasserlaufes von ähnlicher Bedeutung. So wird also vom 
Wuhre ab bis zum Niederwasserspiegel des Rheins ein nicht unbedeutendes Gefälle verbleiben. 
Gegenwärtig erfolgt der Absturz des Spiesgrabens von der Wuhrlü>e bis zum Nieder- 
wasserspiegel des Rheins auf ungefähr 1.60 m Höhe, wie aus dem beiliegenden Plänchen 
entnommen werden wolle. Daran dürfte sich auch na< Ausführung des neuen Kanale8 
wenig ändern denn im Sommer, da der Kaual mehr Wasser führt und eine vertiefende Wirk- 
ung auSüben **nnte, stellt sich auch der Rheinwasserstand höher, so daß der Absturz und 
damit auch die wühlende Kraft des Wassers geringer wird. 
Wird oe Noderwasserhöhe im Kanal mit 0.50 m angenommen, was bei der großen 
Sohlenbreit- von 13.5 m gewiß nicht dem Winter-, sondern dem Sommerniederwasser ent- 
sprechen dürfte, jo rü>t die Sohle des Kanals auf 1.10 m über das Rheinniederwasser, 
also annähernd auf die Höhe des Rhein-Sommerniederwassers. 
In dem dem generellen Projekte zuliegenden Längenprofil ist nun aber nicht das 
Niederwasser, sondern die abgeglichene Rheinsohle des Jahres 1888 eingezeichnet. Es ist 
h. a. die Beziehung zwischen dem damaligen Niederwasser und der abgeglichenen Sohle nicht 
genau bekannt. 
Nach einem vorliegenden schweizerischen Längenprofil vom Jahre 1879 fällt im Allge- 
meinen der Niederwasserspiezel mit der abgeglichenen Sohle zusammen, ist aber bei der 
Spiesgrabenmündung um 70 cm niederer als letztere. Damals bestanden aber an der 
fraglichen Stelle österreichischerseits noch keine Wuhre, die -mittlere Rheinsohle lag ohne 
diese Einschränkungsw*“*s naturgemäß höher, so daß der fragliche Unterschied im Jahre 
1888 sicherlich kaum 50 cm betragen haben mag. Unter dieser Annahme sollte die Sohle 
des Kanales an dessen Mündung auf 1.10 = 0.80 == 0.60 über die in das Längenprofil ein- 
gezeichnete abgeglichene Rheinsohle gerü>t werden, also die Cote 428.90 erhalten. Diesen 
Bunkt mit dem Bruchpunkte bei Kil. 4.75 verbunden, ergibt ein absolukes Gefälle von 1.60 m 
ein relatives von er. == 00.33 9/00. Bei dieser Neigung der Sohle würde aber der Hoc<hwasser- 
spiegel eine Höhe von 3.50 erreichen. Wenn nach dem Wey'shen Projekte dieser Wasserspiegel 
bereit3 den Uferrand bi8 auf 30 ecm Bordhöhe erreicht, so würde er in Wirklichkeit auf
	        

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