Volltext: Die Berichte der Expertencommissionen über die Ursachen und den Betrag des durch die Überschwemmungen im Jahr 1868 in den Cantonen Uri, St. Gallen, Graubünden, Tessin und Wallis angerichteten Schadens

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Fuß über der Bachsohle, sie haben darum an ihren Gebäulichkeiten 
feinen Schaden gelitten, aber ihre Wiesen, ihr Weide- und Waldgebiet, 
das sich von der Spitze des Piz Mundaun bis an den Vrienerbach 
ausdehnt, hat durch Erdschlipfe erhebliche Beschädigung erlitten. Der 
Boden im Thale von Vrin besteht aus verwittertem Thonschiffer und 
ist seiner Bestandtheile wegen zu Abrutschung sehr geneigt , der Bach 
gräbt sich an den steilen Berghalden immer tiefer ein, in den dünn 
besto>ten Waldflächen weiden Ziegen und Schafe und lotkern den Rasen, 
der sonst vielfach zerrissen ist. Bei diesen Verhältnissen ist e8 sehr er- 
flärlich, daß bei jedem Regengusse kleinere oder größere Erdablösungen 
an den Berghalden stattfinden, die in den Bach stürzen und in den 
Glenner geführt werden. Am linken Glennerufer von Furth aufwärts 
bis hinter St. Martin, wo die Flußufer wieder mehr felsig und das 
Felsgestein harter wird, zeigen sich die gleichen Erscheinungen wie in 
Vrin. Durch das massenhafte Geschiebe, welches die lezte Ueberschwem- 
mung gebracht hat, ist das Flußbett des Glenner3 unterhalb Furth 
stellenweise um mehr als 2 Meter erhöht worden und es haben sich bei 
Peiden und bei ver Ausmündung in der Ebene von Jlanz, wo das 
Gefäll des Flusse8 nur schwach ist, hohe und ausgedehnte Schuttmassen 
angehäuft. Bor dem 27. Sept. war in Lugnez schon mehrere Tage 
regnerisches Wetter, der Wasserstand der Bäche aber blieb normal. Am 
27. Sept. regnete e8 wenig, bis gegen Abend ein Gewitter mit schwe- 
ren Regenwolken das Thal überzog ; das Gewitter wurde bei einbrechen- 
der Nacht sehr heftig, Blike und Donnerschläge wechselten mit kurzer 
Unterbrechung, die Regengüsse dauerten die ganze Nacht fort. Das Was- 
ser des Glenner wurde gegen Abend trübe, während der Vrienerbach 
noch helles Wasser führte. Um Mitternacht stürzte die neue steinerne 
Gtlennerbrücke 2-1 Oberkastel8 ein, in der gleichen Nacht folgte ihr auch 
die Brücke über den Vrinerbaßp. Nach 1 Uhr wurde die Brücke bei 
Peiden weggerinen und das Umgelände des Bades zerstört. Die sämmt=- 
lichen Gebäulichkeiten des Bades und die nahe Mühle waren in Gefahr, 
vom Wasser weggerissen zu werden. Am 28. ging der Glenner noch 
immer fehr hoh. Waldbäume, Bestandtheile von Häusern und Ställen, 
Mobilien, Brüenhölzer trieben in dem Flusse und ließen die Verhee- 
rung ahnen, von welcher Vals betroffen worden, mit welcher Ortschaft 
der Verkehr auf mehrere Tage unterbrochen blieb. Vom 28, an fank 
das Wasser wohl ein wenig, der Glenner aber ging noch die ganze 
Woche hoch und der Vrinerbaßh war vom Geschiebe schwarz gefärbt. 
Am 2. Oktober erreichte der Wasserstand wieder nahe die Höhe vom 
27. Sept. Am 4. Okt; verbreitete sich neuer Schrecken vor dem heran- 
brausenden Hochwasser, von allen Kirchen der Lugnezer Dörfer tönten 
die Sturmglocken, es erfolgten jedoch keine neuen Zerstörungen und von 
nun an wichen die Bergwasser zurück.
	        

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