Volltext: Gedenkblätter über die Rüfen des Fürstenthums Liechtenstein aus der Zeit von 1835 bis 1894

Yaduz, den 13. Nov. 1835. 
Von der vorarlbergischen Landes8gränze an bis über Balzers 
zieht sich am östlichen Theile des Thales, wenige Stellen aus- 
genommen, eine beynahe gleichförmige , sanft ablaufende Anhöhe 
hin, die gegen Osten immer steigt , und sich endlich an die Ge- 
birge anlehnt. Wenn diese Abdachungen untersucht werden, jo 
finden sich allex Orten in gewissen Tiefen gleiche Grundlagen, 
die aus Steinen und Schotter bestehen, und nur durch die Länge 
der Zeit mit einer Erddeke überzogen worden sind. Unschwer 
erweist sichs daraus, daß diese Anhöhen aus Erdschlipfen, und 
RNüfegüsjen, die von den westlichen Seiten des kahlen, jehr 
steilen und schroffen Gebirgs seit vielen hundert Jahren her 
herabgefommen sind, sich nach und nach gebildet haben. 
Noch gegenwärtig arbeitet die Natur auf eilf Stellen des 
Landes an seiner östlichen Erhöhung durc<h sogenannte Rüfen, 
welche fast von Halb- zu Halbstund theils über die Hauptstraße 
herfallen, therl8 von dieser aus sich sichtbar machen. So male- 
risch schön die mit verschiedenem Gehölz bestellte, und abwechs- 
lend mit Fluren und rüchten besetzte Steigung sich dem Auge 
darbietet, [9 traurig „t der Anblik solcher Stellen , wo die 
Rüfen >-2 Waldungen fortgerißen, und die schönsten Feld- 
lagen mit Chlamm, kleinerm Geröll und Felsstüken von hun- 
dert und a9ermal hundert Zentner auf mehr als ein Menschen- 
alter überschütteten. Das Gefühl jedes Menschen empört sich an 
solchen Stellen, wo er gesegneten Fleiß und Fruchtbarkeit mit 
einer so böSartigen Ueberschüttung gepaart sieht. 
Diese Rüfen sind zweyerley. Rüfen von Erdschlipfen, 
welche ihren Krater, oder Furche mit natürlicher Böschung von 
80 und mehr Fuß Tiefe an ihrem Ursprung in den Gebirgs- 
höhen haben, und wenn die Furche zu groß geworden ist, we-
	        

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