Volltext: Geschichte des Bistums Chur

Von Bischof Tello bis Bischof Gerbrath. 
lichen auch die weltliche Macht in Rätien, eine für die damalige Zeit 
noch seltene Erscheinung. Nach dem Tode des Remedius aber über- 
nahmen Grafen die Regierung. Folgen davon waren ernstliche Kon- 
flikte und großer Notstand des BistumS. Ein überaus schroffer 
Wechsel hatte in der äußeren Stellung der Bischöfe von Chur statt- 
gefunden. Waren sie zuerst vollständige Herrscher des Landes ge- 
wesen, so verloren sie nun nicht bloß ihre weltlichen Regentenrechte, 
jondern auch viele Kirchengüter und wurden der Verfolgung und Be- 
drängnis ausgesekßt. Doch leuchtet jchon am Ende dieser Periode der 
Hoffnungsstern einer besseren Zukunft. 
Der nächste Nachfolger des hl. Ursizin, 
19. Tello, 
war der Sohn des Präses Viktor und dessen Gemahlin Teusinda. 
Er hatte 3 Brüder, nämlich Zacco, Jactatus und Vigilius, zur Zeit 
seiner Regierung waren jedoch dieselben, wie auch sein Vater, nicht 
mehr am Leben.) Man erzählt von ihm, daß er vom Jahre 743 
an im Kloster Disentis erzogen und herangebildet worden sei, daß 
er dort den Habit genommen, der Wissenschaft und Gottseligkeit sich 
gewidmet habe. Nach der Resignation des hl. Ursizin wurde er im 
Jahre 758 zum Abte des Stiftes Disentis und zugleich in Chur zum 
Bischofe gewählt.?) Nach allgemeiner Annahme war Tello zugleich 
Präses von Rätien. Durch rasches Anwachsen seiner Besitzungen 
war das Bistum zu einer mächtigen Stellung im Lande gelangt, 
und es mochte allmählig die Anschauung Plat gegriffen haben, daß 
die Vereinigung der geistlihen und weltlichen Gewalt nicht undenf- 
bar sei. Als dann nach des Präses Zacco Tode das ganz besondere 
Verhältnis eingetreten war, daß der leßte Sprößling eines erlauchten 
Hauses, welches dem Lande seit Jahrhunderten die Präsides gegeben, 
der einzige Erbe des während seiner Regierung wohl beliebt und 
berühmt gewordenen lebtverstorbenen Präjes auf dem bischöflichen 
Stuhle saß, da wurde die Vereinigung der weltlichen Gewalt mit 
dem Bischof3amte nicht nur möglich, jondern zur Tatsache. *) 
In dem einzigen, aber sehr wichtigen Aktenstüe, das uns 
Tello hinterlassen, in seinem Testamente, nennt er sich zwar nur 
Bischof, nicht Präses. Vielleicht tat er dies eben aus Demut, wie 
er sich überhaupt nur als „Sünder genannt Bischof“*) bezeichnet. 
1) Siehe W. Zuvalt, Forschungen 11, S. 72. 
2) Eichhorn, p. 24. 
3): Suvalt, 1. c. 11.,776: 
4) peccator dietus episcopus“. 
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