Volltext: Geschichte des Bistums Chur

526 Von Bischof Siegfried v. Gelnhausen bis Heinrich Vl. v.. Höwen. 
- Im Jahre 1387 brannte das Kloster auf den Grund nieder. 
Abt Johann IV. Zanus (1387--1401) führte die Neubaute auf und 
mußte zu diesem Zwecke mehrere Güter und Zinsen veräußern. Die- 
jer Abt schloß im Jahre 1395 mit der Gemeinde Disentis, dem 
Freiherrn Ulrich Brun von Rhäzüns und dem Freiherrn Albrecht 
von Sax-Misox samt dessen Leuten im Lugnez und in der Grub ein 
Bündnis, dem noch im nämlichen Jahre Graf Johann von Werden- 
berg-Soargans und 1399 auch die Grafen Rudolf und Heinrich von 
Werdenberg-Heiligenberg für ihre Besizungen im Oberlande bei- 
traten. Die Verbindung hatte den Zweck, sich gegenseitig im Rechte 
zu schüßen. 
Die Schirmvogtei des Kloster38 war an die Grafen von Mont- 
fort und zulezt an die Grafen von Werdenberg übergegangen. Bi8- 
her waren alle Bullen der Päpste und alle Diplome der Könige 
gegenüber den Anmaßungen der Vögte wirkung3lo8 gewesen. Nun 
versammelte Abt Johann IV. am 21. April 1401 im Kloster die 
Vasallen des Stiftes und wies in Gegenwart der Grafen Rudolf, 
Dugo und Heinrich von Werdenberg die Dokumente vor, nach wel- 
<hen die Abtei von jeder Kastvogtei befreit sei und die Befugnis 
habe, frei einen Vogt zu ernennen. Die Grafen verzichteten gegen 
die Summe von 1000 fl. auf die Vogtei und stellten darüber eine 
Urkunde aus. Damit war den vieljährigen Bedrückungen des Stiftes 
von Seite der Vögte ein Ende gemacht, allein nun drohte Gefahr 
von anderer Seite. Von jeher besaß die große Gericht8gemeinde 
Disentis eine hervorragende Stellung und eine gewisse Selbständig- 
feit. Schon im 13. Jahrhundert tritt sie in Urkunden, welche die 
Talschaften betreffen, neben dem Abte mithandelnd auf, und sie besaß 
bereits im Jahre 1285 ein eigenes Siegel. Da der Abt gegenüber 
den Bögten wiederholt die Hilfe der Gotte8hausleute und der Va- 
jallen in Anspruch nehmen mußte, und diese auch bei dem LoSkäufe 
der Vogtei mitwirkten, so glaubte die Gerichtsgemeinde umso selb- 
ständiger vorgehen, ja sogar über das Stift eine gewisse Vormund- 
schaft auSüben zu dürfen. Die Gewalttätigkeiten der Gerichtsge- 
meinde wurde später für die Abtei verhängnisvoller als die früheren 
Bedrückungen der Vögte. 
Abt Peter von Pontaningen (1401-1438) suchte den Zeitver- 
hältnissen und den Ansprüchen des Volkes möglichst Rechnung zu 
tragen. Er knüpfte im Jahre 1403 die alten freundschaftlichen Be- 
ziehungen des Stiftes zu Schwyz fester, erneuerte 1406 das Bünd- 
nis mit den Bewohnern des Blegnotales und schloß 1407 ein
	        

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