Volltext: Geschichte des Bistums Chur

522 BVon Bischof Siegfried v. Gelnhausen bis Heinrich V1. v. Höwen. 
enthält Eigentümlichfeiten beim Gloria (Einschiebung einer Lob- 
preijung der Mutter Gottes), bei der Opferung und bei der Kom- 
munion. Sodann hatte unser Missale eine Reihe von eigenen Meß- 
formularien, Orationen, Sequenzen usw. Der Gesang wich beim 
Gloria, in der Präfation usw. sehr vom römischen ab. 
Die Einteilung des Ranges der Feste war ebenfalls verschieden. 
Das römische Kalendarium teilte die Feste in Simplex, semiduplex, 
duplex (mit verschiedenen Abstufungen) ein, das Churer in comme- 
moratio, plenum und Summum. Unser Kalendarium enthielt 
nicht nur eine Reihe von Festen der Lande8- und Bistumsheiligen, 
jondern auch manche andere, die das römische nicht berücksichtigt. 
Im Breviarium Curiense famen viele eigene Regeln für die 
Offizien, sodann besondere Hymnen, Lektionen, Orationen und viele 
vollständige Tagzeiten vor, die eigens verfaßt waren und im römi- 
schen Brevier fehlten. So enthielt unser Brevier ein besondere3 
Offizium des hl. Luzius mit eigenen Antiphonen, Hymnen, Lesungen 
usw., dann ein Offizium für das Fest Mariä Empfängnis, in wel- 
chem die Lehre von der unbefleckten Empfängnis sehr entschieden 
ausgesprochen war, während das römische Brevier e8 vermied, sie 
direft zum Ausdrucke zu bringen. Ein Offizium für den Samstag, 
„Gaude“ genannt, vertrat das römische Offizium Marianum, manche 
Gebete bei der Prim und Komplet erinnerten an das ambrosianische 
Brevier. 
Die Buchdrukerkunst wurde bald nach ihrer Entstehung zur 
Verstellung liturgischer Bücher benüßt. 
Für die Divzese Chur ließ bereits Bischof Ortlieb im Jahre 
1490 das Brevier und Direktorium Chori drucken. ') Lekteres 
war eine ausführliche Anleitung zur Rezitation des Breviers und 
Celebration der Messe für die einzelnen Tage, die beweglichen und 
unbeweglichen Feste. Am Schlusse gaben 40 Regeln Anleitung für 
die Festsezung der Festordnung eines jeden Jahres. 
Bischof Heinrich VI. sekßte zur Herausgabe des Missale eine 
Kommission ein, bestehend aus Kanonikus Johann von Wolffray, 
Magister Heinrich Gubertal und Johann Her. Diese verglichen 
verschiedene geschriebene Missalien der Diözese und diejenigen be- 
nachbarter Bistümer. Sie redigierten hierauf das neue Meßbuch, 
') Vom Brevier befindet sich ein vollständiges Exemplar im Besiße 
des Hrn. Oberst Th. Sprecher in Maienfeld, ein unvollständiges in der 
bischöfl. Bibliothek. Vom Direktorium existiert nur noch ein Exemplar in 
der b. Bibliothek.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.