Volltext: Geschichte des Bistums Chur

Allgemeine kirchliche Verhältnisse im 14. und 15. Jahrhundert. 519 
gegeben werden. Weder Laien noch Kleriker dürfen, unter Strafe 
der SuzSpension und Exfommunikation ein Frauenkloster betreten, 
außer mit Erlaubnis der Obern aus besonders wichtigem Grunde. 
Früher hatten die Pfarrer allein das Vermögen ihrer Kir- 
<hen verwaltet, später wurden auch Laien beigezogen. Nun flagen 
die Statuten des Bischofs Heinrich V1l., daß ohne Vorwissen und 
Einwilligung des Pfarrer3 Prokuratoren der Kirchen aufgestellt wer- 
den, welche den eigenen Nußen suchen, oft nachteilige Käufe und 
Verträge eingehen, die ihnen anvertrauten Kirchengüter zu profanen 
Zwecken verwenden und dem Pfarrer keine Rechnung ablegen. Der 
Bischof befiehlt nun, daß bei jeder Kirche der Pfarrer oder Rektor 
als Hauptverwalter (procurator principalis) und zwei Laien als 
seine Gehilfen die Administration besorgen sollen. Die Laien dürfen 
nur mit Einwilligung des Pfarrers handeln und sind verpflichtet, 
diesem Rechnung abzulegen. Gegen Zuwiderhandelnde soll der Pfarrer 
im Namen des Bischofs mit der Exkommunikation vorgehen. 
Eine Reihe von Bestimmungen der Statuten des Bischofs 
Heinrich Vl. richten sich gegen die Beeinträchtigung der Freiheit 
von Testamenten zu frommen Zwecken. An einzelnen Orten 
wollte man nicht gestatten, über eine bestimmte Summe hinaus 
fyomme Legate zu machen. Diesen Mißbrauch mißbilligt der Bischof, 
da er sowohl den kirchlichen als den weltlichen Geseßen entgegen jei. 
Der lezte Wille solle unangetastet bleiben. Solche, welche die Frei- 
heit der Testamente antasten, werden mit Exfommunikation und In- 
terdikt bedroht. Mit den nämlichen Strafen soll vorgegangen wer- 
den gegen Gemeinden und deren Vorsteher, welche die Vollziekung 
der Testamente, besonders der Legate zu frommen Zwecken verhin- 
dern oder aus Gleichgültigkeit nicht ausführen. Streitigkeiten be- 
züglich der frommen Legate gehören vor das bischöfliche Gericht. 
Irrlehren fanden zu dieser Zeit in unserer Diözese keine 
größere Verbreitung, immerhin war Gefahr vorhanden, daß einzelne 
von den Häresien damaliger Zeit angesteckt würden. ') Darum suchten 
die Verordnungen Vorsvrge zu treffen. Den Begharden, welche 
vielfach Irrlehren verbreiteten, wurde in der Diüzese das Predigen 
verboten. Andere Prediger, welche Häresien vortrugen, sollten dem 
Bischofe angezeigt werden. Denjenigen, welche gegen die Irrlehren 
Wiclifs, Joh. Huß und Hieron. von Prag sich betätigen, verleihen 
die Bischöfe Heinrich V. und VI. Ablässe. 
!) Ueber einen häretischen Kanonikus siehe oben S. 488.
	        

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