Volltext: Geschichte des Bistums Chur

Von Bischof Siegfried v. Gelnhausen bis Heinrich VI. v. Höwen. 457 
von Wyßmayer sich belehnen zu lassen und sich gegen denselben, wie 
gegen die früheren Bischöfe zu benehmen. H) 
Unter gleichem Datum befahl der Kaijer allen Leuten des Doch- 
stiftes dem „Bischofe Leonhard“, dem er die Regalien verliehen, zu 
gehorchen und mitzuhelfen, daß derselbe nicht vom BiStum verdrängt 
werde. ?) Einen gleichen Befehl erließ der Kaiser am 22. August des 
nämlichen Jahres an das Domkapitel und fügte demselben die Worte 
bei: „Solches lassen wir auch unserem hl. Vater, dem Papst zu 
wissen tun. Da wisset ihr euch darnach zu richten.“ ?) Man sieht, 
daß Friedrich UI. alle Anstrengungen machte, um zu verhindern, 
daß Bischof Anton in den tatsächlichen Besitz des Bistums ge- 
lange. Der Kaiser maßte sich hier Rechte an, die er durchaus 
nicht hatte, und sein Benehmen stand in vollständigem Widerspruche 
mit allen Konkordaten, welche seine Vorgänger und er mit dem 
hl. Stuhle geschlossen. Seine Befehle verfehlten auch ihre Wirkung. 
Bischof Anton kam über den Gotthard durch das Urserntal 
nach Disentis. Hier erhob er am 20. September 1456 die Kirche 
St. Martin in Medel3 zur Pfarrkirche *) und begab sich dann auf 
die Burg Realta im Domleschg. Von da kam er nach Chur, wo ihn 
ein Teil des Domkapitels und besonders das Volk freudig begrüßten. 
Der Rat der Stadt jedoch war ihm abhold. Als Bischof Anton nun 
im Begriffe war, von der Kathedrale Besiz zu ergreifen, traf ihn 
plößlich ein jäher Tod. Ein alter Bericht erzählt nämlich: „Als er 
aber den 1. Oktobris unter großem Frohloc>en des Volkes ab dem 
Rathaus in die bischöfliche Residenz ziehen wollte, ist er von dem 
Schlag getroffen todts verblichen.“ *) 
Anton hatte die bischöfliche Weihe noch nicht empfangen. *) 
71. Leonhard Wyßmayer. 
Nach dem tragischen Ende des vom Papste ernannten Bischofs 
Anton wurde die Einsezung Leonhard Wyßmayers aufs neue ernst- 
lich betrieben und zwar insbesonders von Kaijer Friedrich U1., sowie 
1) Ch. T. A. B. f. 156.b. 
91.04.1537 a. 
ö):B. A. 
4) Mohr, Regesten v. Disentis. N. 188 u. 192. Das Jahr der An- 
kunft in Disentis ist dort unrichtig angegeben. In Disentis wurde Bischof 
Anton von Abt und Konvent, sowie vom Volke ehrfurcht3voll empfangen. 
) Ch. T. A-B. if. 158. bh. 
s) Vat. Archiv. Reg. Calixti Ill.
	        

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