Volltext: Geschichte des Bistums Chur

2 Von der ältesten Zeit bis zum fünften Jahrhundert. 
wird mit Recht von den meisten Chur angenommen. Daß dieses 
wirklich die Hauptstadt der Provinz war, dafür spricht das ansehn- 
liche Kastell, der ausSgedehnte Stadtbezirk, die strategisch und kommer- 
ziell sehr bedeutungsvolle Lage Churs, jowie der Umstand, daß die 
Bischöfe von Chur in nachrömischer Zeit gewissermaßen als Träger 
der den Provinzialstatthaltern zustehenden Gewalt auftraten. 
Unter Konstantin änderte sich die Lage der Christen voll- 
fommen, statt verfolgt, wurde nun die Kirche vom Staate bevorzugt. 
Die Teilung der rätischen Provinz und die Begünstigung des Christen- 
tums hatte für Chur gewiß auch die Gründung eines Bischofssitzes 
zur Folge, falls biSher daselbst keiner bestanden haben sollte. Die 
kirchliche Einteilung richtete sich ja gerne nach der politischen, und 
die Freiheit des <ristlichen Bekenntnisses hatte eine schnelle AuS- 
breitung desselben, sowie die Errichtung vieler BiStümer zur Folge.*) 
Allerdings wird erst im Jahre 452 ein Bischof von Chur urkundlich 
genannt,*) allein alle Anzeichen weisen daraufhin, daß die Begründ- 
ung dieses Stuhles über das 5. Jahrhundert zurückgehöre.*) In 
der höchst unruhigen Zeit des 5. Jahrhunderts hätte man kein Bis- 
tum gründen fönnen. Planta*) sagt über diesen Punkt ganz richtig: 
„Da Rätien vermöge seiner geographischen Lage dem christlichen 
Einflusse Italiens näher stand als Germanien, überdies wie politisch, 
jo auch kirchlich zu Italien gehörte, so daxf man annehmen, daß das 
Christentum in Rätien früher als am Rheine Verbreitung fand, und 
daher wahrscheinlich dort die BrovinzialbisStümer Augsburg und Chur 
mindestens ebenso frühe als die am Rheine gegründet wurden.?) 
Völlig unglaublich wäre es, daß nicht wenigstens in der Mitte des 
4. Jahrhunderts solches geschehen wäre, als Kaiser Konstantius 
[350-361] mit Rätien durch seinen Kriegszug gegen die Alamannen 
in nähere Berührung kam und seine Residenz in Mailand aufschlug.“ 
- Auf den Bestand eines bischöflichen Sizes zu Chur im 4. Jahr- 
hundert weisen übrigens auch positive Zeugnisse hin. Tatti gibt 
?) Neue Bistümer zu kreieren, war damal38 Sache der Metropoliten. 
?) Auf dem Konzil von Ephesu3 [431] erscheint ein Bischof „Zeno 
Curiensis“ [Mansi Coneil. coll. Tom. VI p. 874]. Allein dieser war Bischof von 
Curium auf Cypern. Gams Series Episcop. p. 438. 
8) Lütolf, 1. c. S. 8. 
*) Das alte Rätien, S. 225. 
s) In Köln und Trier erscheinen schon 313 und 314 eigene Bischöfe.
	        

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