Volltext: Geschichte des Bistums Chur

420 Von Bischof Siegfried v. Gelnhausen bis Heinrich VI. v. Höwen. 
Das Wagnis gelang beim ersten Versuche, denn die sieben wußten 
sich Eingang zu verschaffen und die geringe Wache im Schlosse zu 
bewältigen. Allein es zeigte sich, daß die Feste äußerst schwach ver- 
proviantiert war. Der Mangel an Lebensmitteln erreichte einen 
solchen Grad, daß die Mannschaft das Schuhwerk zur Stillung des 
Dunger3 zu verwenden begann. Das Schloß wurde umzingelt, ein 
Entsaß erfolgte nicht. Die Mannschaft soll nach einigen verhungert 
jein, nach andern sich durch Entweichen gerettet haben. Gewiß ist, 
daß der Versuch resultatlos war. *) 
Als Bischof Hartmann aus der Gefangenschaft befreit die Re- 
gierung wieder antrat, sah er, daß er kaum mehr fähig war, Oester- 
reich gegenüber seine Selbständigkeit zu behaupten. 
„In dieser Lage scheint er im Jahre 1406 einen Versuch ge- 
macht zu haben, seine Stiftslande diesseit3 der Berge durch ein 
Bündnis mit dem oberen Teil (Bund der Herren am Vorderrhein) 
einigermaßen sicher zu stellen und zugleich die Freiherren von Rä- 
züns zu isolieren. Allein es ist bei dem Projekte geblieben.“ 2) 
Von den Lehenverleihungen dieses Bischofs erwähnen 
wir nur, daß er am 16. Oktober 1400 dem Dompropst Rudolf von 
Werdenberg und dessen Brüdern Hans, Hugo und Heinrich die Graf- 
jhaft Schams mit Jiheinwald, Bärenburg, Tomils und Ortenstein 
verlieh. *) 
Durch die vielen und meist unglücklichen Fehden brachte Bischof 
Dartmann das Hochstift finanziell in eine sehr mißliche Lage. Die 
Reihe der Veräußerungen und Verpfändungen, die er vor- 
nahm, ist eine gewaltige. Wir führen nur einige der bedeutendsten 
an. *) Der Bischof verpfändete: dem Jakob von Castelmur die Feste 
Rietberg und etliche Zinsen für 500 Mark (1398), dem Simon 
Marugg das Ammannamt in Chur (1403), dem Peter von Unter- 
wegen die Feste Trimmis (1405), den Planta den halben Teil der 
aus dem Oberengadin zu liefernden Fische (1409), dem Peter Canof 
in Tinzen 15 Pfund Pf. Zin3 zu Reams und Savognino für 250 
Mark (1410), dem Konrad von Marmels die Feste Greifenstein und 
Kornzinse für 150 fl. (1411), eine Reihe von Gütern, Zehnten und 
Zinse in Chur, Zizers, Remüs (für 200 Mark), Tiefenkastels, Schams 
?) Mohr, Gesch. v. Graub., 1, S. 216 u. 217. 
?) W. Plattner, Entst. der 3 Bünde, S. 122. 
8) Mohr, IV, S. 365. 
*) Nach Ladurner I, u. B. A.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.