Volltext: Geschichte des Bistums Chur

Von Bischof Konrad 1. bis Berthold Il. 2853 
Nach dem Tode des Abtes Burchard 11. wußte es Anton de 
Carmisio aus Mailand dahin zu bringen, daß er von Innozenz 1V. 
zum Administrator des Klosters ernannt wurde (1248). Unter ihm 
hatte das Stift viel zu leiden, bis es dem Konvente gelang, mit 
Einwilligung des Papstes, einen neuen Abt zu wählen. Es war dies 
Heinrich von Werdenberg, der mit Hilfe des Wilhelm von Pult- 
ingen den Anton vertrieb (1251). Heinrich stand dem Kloster 
rühmlich vor und starb 1273. Unter seinen Nachfolgern Rudolf von 
Nichenstein und Benedikt 1. von Phiesel verübten benachbarte Adelige 
viele Gewalttätigfeiten gegen das Stift, inbesondere die v. Vaz, v. 
Grünenfels, v. Pultingen, v. Fontana usw. Deshalb erließ Papst 
Nifolaus II. im Jahre 1277 an den Bischof von Como und den 
Dompropst von Chur den Befehl, die Bedränger des Stiftes durch 
Urteilssprüche und Verhängung von kirchlichen Strafen zur Wieder- 
stattung zu zwingen. Schon zu dieser Zeit war das Kloster von 
der bischöflichen Jurisdiktion exempt. ?) 
In Verbindung mit dem Kloster Disentis stand das Colle- 
gium devotorum bei der Kapelle St. Benedikt ob dem Dorfe 
Somvix. Es war dies eine ganz eigenartige Institution, von der 
uns eine Reihe von Urkundenauszügen im Archiv des ehemaligen 
Klosters Pfäfers Nachricht geben. Die Witwe Rigenza de Valle er- 
baute in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Kapelle St. 
Benedikt und machte sodann mit Einwilligung ihres Vogtes, Wilhelm 
v. Pultingen, eine Reihe von Schenkungen. So kaufte sie („in 
praeesentia omnium Subditorum“) verschiedene Güter, welche sie 
dem Kollegium übergab. Zuleßt schenkte sie alle ihre unbewegliche 
und bewegliche Habe (darunter 12 Kühe, Dauseinrichtung usw.). Dem 
Kollegium traten unter anderem bei Konrad de Rufen und jeine 
Chefrau Agnes, Heinrich von Runcal und seine Ehefrau Bertha. 
Ulrich de Fopa und Rudolf de Valrifa übergaben ihre Töchter Ju- 
denta und Margarita mit entsprechender Aussteuer. | 
Das Kollegium war ein Haus für Personen, welche, ohne ei- 
gentliche Ordensgelübde abzulegen, ein gemeinsame3, Gott gewidmetes 
Leben führen wollten. Die Mitglieder legten das einfache ewige 
Gelübde der Keuschheit ab, unterwarfen sich der geistlichen Leitung 
des Abtes und der Mönche von Disentis, wohnten täglich der hl. Messe bei, 
') Nifolaus III. sagt nämlich: „Quod monasterium Degertinense nullo 
medio ad Keclegiam Romanam pertinet.“ 
*) Urkundenaus8züge im ehem. Archiv Pfäfers jekt in St. Gallen).
	        

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