Volltext: Geschichte des Bistums Chur

Von Bischof Konrad 1. bis Berthold 11. 
Verwandt mit dem Amte des Scholastikus ist das des Kantor8 
Er hatte ebenfall8 an der Erziehung der jüngeren Kleriker mitzuwirken, 
besonders lagihm die Leitung des Chorgesanges ob. Zudem mußte er den 
Klerus indenkirchlichen Funktionen einüben. InChurwurde das, otticium 
cantoris“ durch Bischof Ulrich von Kyburg (+ 1237) eingeseßt und 
mit Einfünften ausgestattet. Darum stand den Bischöfen stet3 das 
freie Verleihungsrecht der Kantorie zu. 
Wenn der Bischof nicht selbst im Chor war, und der Kantor den 
Gesang anzustimmen hatte, ging er als Stellvertreter des Bischofs dem 
Dompropst beim Opfer und bei der Reichung des Plenariums nach 
dem Evangelium vor. H 
Der Kusto 3 wurde vom Bischofe ernannt. Er hatte für die 
Aufbewahrung des Kirchenschaßes, besonders der Reliquien, Para- 
mente und hl. Gefäße zu sorgen, Oel für die Lampen und Kerzen 
herbeizuschaffen usw. Die Sakristane wurden von ihm ernannt. 
Einer derselben mußte in der Sakristei schlafen. Derjenige, welcher 
dies unterließ, sollte vom Kustos abgeseht werden. A 
Hauptaufgabe der Kanoniker war die Abhaltung des Gotte3- 
dienstes, inSbesondere die Verrichtung des gemeinsamen Chorge- 
betes, der firchlichen Tagzeiten (bestehend in Psalmen, Hymnen, 
Lesungen und Gebeten). An Festtagen wurden alle Tagzeiten, an 
andern Tagen wenigstens ein großer Teil gesungen. Bis ins 16. 
Jahrhundert sang man Matutin und Laude3s nach Mitternacht, die 
vier kleinen Horen folgten am Vormittag, Vesper und Komplet am 
Nachmittag. Täglich wurde die Konventmesse für alle Stifter und 
Wohltäter gesungen. 
Da3 Domkapitel behielt seine Teilnahme an der DiÖze- 
sanregierung, ja es wurde dieselbe im Laufe der Zeit noch mehr 
befestigt und erweitert. Der übrige Stadtkleru3 gehörte seit dem 
12. Jahrhundert nicht mehr zum Ratskollegium des Bischofs. 
Ursprünglich war der Bischof nur im allgemeinen verpflichtet, 
in wichtigen Dingen den Rat seiner Kleriker zu hören, und nur durch 
sein Gewissen hieran gebunden, nun aber wurde die Mitwirkung des 
Domkapitels genauer fixiert. Im Anschlusse an die früheren Defkre- 
talen, welche in der Bezeichnung dieses Rechtes noch schwanken und 
bald den Ausdruck Einwilligung (consensus), bald Rat (consilium) 
gebrauchen, hat die Doktrin seit dem 13. Jahrhundert zwischen diesen 
') Buch der Aemter l. c. 
I 1. c. S. 20. Statuten von 1273. 
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