Volltext: Geschichte des Bistums Chur

4 Von der ältesten Zeit bis zum fünften Jahrhundert. 
römischen Bürger und Bundesgenossen behandelten, gaben den Römern 
ven willkommenen Anlaß, deren Land ihrem Weltreiche einzu- 
verleiben. Hätten die Römer indessen auch diesen Anlaß nicht ge- 
habt, so würden sie einen andern gefunden haben, denn die Erober- 
ung der gesamten Donaulande war seit der Eroberung Galliens für 
Rom eine politische Notwendigkeit geworden. Eben damit war aber 
auch das Los der Donau- und Alpenvölker besiegelt. Was half 
alle Tapferkeit und aller Mut der Verzweiflung, der die rätischen 
Frauen sogar hinriß, ihre Säuglinge Roms Kriegern in3 Antliß zu 
schleudern, gegen den festen Vorsaß der weltbezwingenden Roma, die 
denselben mit erdrücender Uebermacht und mit überlegener Kriegs- 
kunst durchführte? ) Die Stiefföhne des Kaiser Augustus, Drusus 
und Tiberius, unterwarfen im Jahre 15 v. Christus in einem furzen 
gutangelegten Feldzuge die Rätier und Vindeliker. 
„Die römische Provinz Rätien, die nach der Eroberung gebildet 
wurde, war von dem alten Rätien nach Umfang und Bevölkerung 
sehr verschieden. Sie schweißte, was von den echträtischen Stämmen 
nicht zu Italien geschlagen worden war, die Venosten im Vintsch- 
gau, die Caluconen, Suaneten, Rugusker, Lepontier mit den illyri- 
sichen Breunen und Genaunen, mit ven feltischenV ennonetern und 
Brigantiern, den Stämmen der vindelizischen Hochebene und des 
Wallis zu einem Verwaltungsbezirk zusammen, der gleich den übrigen 
Alpenprovinzen einem kaijerlichen Statthalter geringeren Ranges, einem 
dem Senat nicht angehörigen Profurator unterstellt wurde, dessen 
voller Titel »procurator et pro legato provincix Retig et 
Vindelicix et Vallis Poeninx« lautete. 
„Gegen Osten grenzte die Provinz Rätien an Norifum, von 
dem sie der Inn von seinem Austritt aus dem Gebirge an bis zu 
seiner Einmündung in die Donau schied. Im Norden bildete an- 
fänglich die Donau die Grenze, später wurde diese über den Strom 
vorgeschoben und durch den rätijschen Grenzwall bezeichnet, der bei 
Lorch mit dem obergermanischen Grenzwall zusammenstieß. Die 
Westgrenze der rätischen Provinz gegen Gallia Belgica bezw. dem 
zu dieser gehörigen Obergermanien bildete nach Ptolomäus eine 
Qinie von den Quellen der Donau zu denen des Rheins. Diese 
Linie überschritt westlich vom Untersee den Rhein, so daß Tasgätium 
d. h. Eschenz, noch zu Rätien gehörte. Dann lief sie durch den Thur- 
gau nach ad Fines, Pfyn, jo daß noc< ein Stück althelvetischen 
1) Baumann, Gesch. d. Allgäu 1, S. 52.
	        

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