Volltext: Geschichte des Bistums Chur

- Von Bischof Hartbert bis Bischof Wido. 
auf einem ReichsStage verantworte und bis dahin sich der Reichs- 
verwaltung enthalte. Kaum hatte Heinrich Canossa verlassen, al3 er 
sich wieder von Männern umgeben sah, die keine Ausföhnung mit 
dem Papste wollten und ihn zu einem Benehmen veranlaßten, das 
dem gegebenen Versprechen entgegengeseßt war. Nun wählten die 
Fürsten des deutschen Reiches auf dem Tage zu Forchheim im März 
1077 den Herzog Rudolf von Schwaben zum Könige. Die päpstlichen 
Legaten hatten vor einer Neuwahl gewarnt, und Gregor VI. zögerte 
mit der Anerkennung des neuen Königs. Auch Bischof Heinrich von 
Chur hatte der erwähnten Wahlverjammluug beigewohnt. Nachdem 
Rudolf, zu dessen Herzogtum auch Rätien gehörte, zur königlichen 
Würde erhoben worden war, entstand, wie allenthalben im deutschen 
Reiche, jo auch in unsern Gegenden ein Kampf auf Leben und Tod. 
Adel und Geistlichfeit waren in zwei Parteien gespalten, die 
einen hielten zu Heinrich IV., die andern zu Rudolf und Gregor VI. 
Auf Seite der Ersteren standen unter anderem die Bischöfe von Basel 
und Konstanz, der. Abt von St. Gallen, der Graf von Lenzburg, 
Kastvogt von Schännis. der Graf von Churrätien, Otto von Buch- 
horn *) ujw., auf Seite der Letzteren Bischof Heinrich von Chur, 
Graf Dugo von Tübingen, die Grafen von Bregenz, von Kyburg, 
von Toggenburg und von Habsburg, die Aebte von Einsiedeln, Muri 
usw. Das war jene Zeit, da den Derzogen Gegenherzoge, den 
Bischöfen Gegenbischöfe, den Grafen Gegengrafen aller Orten gegen- 
überstanden. Alle Welt lag in Hader und Streit, ein Nachbar zog 
gegen den andern ins Feld. Geächtet wurden die Anhänger des 
Papstes und des neuen Königs, mit dem kirchlichen Banne 
belegt die Anhänger Heinrichs IV. Wir können uns leicht vor- 
stellen, daß Bischof Heinrich unter solchen Verhältnissen sich in 
einer überaus bedrängten Lage befinden mußte. Schon im 
Jahre 1075 hatte König Heinrich die Alpenpässe verlegen lassen, da- 
mit feine mißbeliebige Nachricht nach Rom gelange. Ohne Zweifel 
wird er auch Rätien besezt gehalten haben, und unser Bischof mag 
daher nicht geringen Bexationen ausgeseßt gewejen sein. Weiterhin 
blieben ihm gewiß Kämpfe mit. dem Grafen Otto von Oberrätien 
und dem Grafen von Lenzburg nicht erspart. Letterer ging ja sv 
weit, daß er die päpstlichen Legaten gefangen nahm, welche 1077 
?) Derselbe starb mit dem Banne beladen 1089. Bischof Gebhard 
von Konstanz überließ den Besit des Grafen den Dienstleuten desselben 
zur Blünderung. Dr. Ladewig, Reg. Epise. Constant. Bd. 1, S. 70. 
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