Volltext: Geschichte des Bistums Chur

- Von Bischof Gerbrath bis Bischof Hartbert. 
von Chur unter 22 Bischöfen an neunter Stelle. Während die Bi- 
jchöfe Beratungen pflegten, hielt der König Arnulph in seinem Pa- 
laste Verhandlungen mit den Fürsten. Eine Deputation der Prälaten 
erhielt von ihm die Versicherung, daß er seine Unterstüzung gegen 
alle Feinde der Kirche gewähren werde. Die Synode erließ 58 Ka- 
nones. Aus denselben erwähnen wir folgende Bestimmungen: Die 
Grafen sollen Jeden, der von Bischöfen exkommuniziert ist und nicht 
Buße tun will, ergreifen und vor den König führen. Wer Kirchen- 
gut geraubt hat, muß es dreifach ersezen. Die Grafen dürfen an 
Sonn-, Fest- und Bußtagen kein Gericht halten. Laien sollen nicht 
in Kirchen begraben werden. ?) 
Von Tribur begaben sich die Bischöfe nach Regensburg, um 
den Papst Formosus zu begrüßen, welcher daselbst das Kloster St. 
Emmeram einweihte. 
Ende Juni 903 treffen wir Bischof Diotolf auf einer Reichs- 
versammlung zu Forchheim, in welcher unter anderem dem Stifte 
St. Gallen die Immunität und freie Abt3wahl durch den König be- 
stätigt wurden. *) 
Bei König Arnulph stand Diotolf in großem Ansehen. So 
wurde er von demselben mit dem Grafen Berthold von Valentia 
zur Bestätigung der Wahl des Königs Ludwig nach Arles gesendet. 
Dieser Bischof war ein kluger und geschäftskundiger Kirchen- 
fürst. Mit allem Eifer suchte er in seinem Sprengel Mißbräuche 
zu beseitigen und die Rechte des Hochstistes zu schüßen. Zu diesem 
Zwece wandte er sich auch an König Konrad 1. Am 25. Septem- 
ber 912 erschien er vor demselben zu Bodmann am Bodensee, wv 
Konrad Hoflager hielt, und klagte ihm, daß sich in der Divzese Chur 
Nachlässigkeiten und Gewalttätigkeiten eingeschlichen haben, welche 
nur mit königlicher Hilfe beseitigt werden können. Der König, nach- 
dem er das Zeugnis der angesehensten Männer von Chur und den 
Rat der Großen seiner Umgebung vernommen, gibt dem Bischofe 
und seinen Nachfolgern die Vollmacht, den ungerechten Gewalttätig- 
feiten auf dem Gebiete des Hochstiftes im Namen des Künigs ent- 
gegenzutreten und in zweifelhaften Fällen die Wahrheit durch 
Forderung eines Eides zu eruieren. Der bisSherige Mißbrauch, daß 
sich Leibeigene der Kirche von Chur nach 30 Jahren befreien konnten, 
1) Hefele, l. c. IV. S. 531 ff. Mohr, 1, S. 55. 
2) Dümmler, Gesch. des ostfränkischen Reiches. 11, S. 523. 
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