Volltext: Geschichte des Bistums Chur

Von Bischof Tello bis Bischof Gerbrath. ; 
Die Rechte der Bischöfe auf kirchlichem Gebiete blieben 
wie dies in der Natur der Sache liegt, wesentlich die gleichen, wie 
biSher. Besonders übten die Bischöfe über die Geistlichfeit eine sehr 
ausgedehnte Gewalt aus. Die Kleriker waren ihnen nicht bloß für 
ihre Amts8handlungen verantwortlich, jondern auch überhaupt ihrer 
vollen Jurisdiktion unterworfen. Jeder Geistliche mußte in dem 
Bistume verbleiben, für das er geweiht worden war.*) Die Anstellung 
und Entlassung der Kleriker war ausschließlich Sache des Bischofs. 
Er konnte nach Gutdünken die Priester und Diakonen der Landpfarreien 
an die Kathedrale versezen.?) Selbst die Aebte durften nicht ohne 
seine Zustimmung gewählt werden.*) Die Erbauer von Kirchen konn- 
ten zwar für dieselben dem Bischofe taugliche Priester vorschlagen, 
aber ohne Erlaubnis desselben sollten Laien weder Kleriker ange- 
stellen noch entlassen. Dies galt sogar für Privätoratorien.*?) So 
bestimmten die Geseze der Kirche, allein sie wurden, wie wir sehen 
werden, vielfach nicht beachtet. 
Jeder Priester mußte am Gründonnerstage dem Bischofe Rechen- 
schaft ablegen und sich von ihm das hl. Del und ChriSma erbitten, 
auch denselben auf seinen Visitativnsreijen ehrerbietig empfangen und 
mit allem Nötigen versehen.*) 
Nur mit Zustimmung des Bischofs war es erlaubt, neue Kirchen 
pvder Oratorien zu erbauen und bevor diese GotteShäuser geweiht 
wurden, mußte ihre genügende Dotation durch eine Urkunde sicher- 
gestellt sein.) Als oberster Administrator des gesamten DiÖözesan- 
vermögens, mit der Verpflichtung, dasselbe nach den Bestimmungen 
der Kanones verwalten zu lassen, galt noch immer der Bischof, aber 
die Verwaltung war nicht mehr in seiner Hand vereinigt. Seitdem 
an den einzelnen Kirchen eigene Pfründen existierten, waren die In- 
haber derselben zugleich auch Verwalter des Pfründevermöügens und 
dem Bischofe blieb nur die Befugnis, die Administration der Pfarrer 
zu beaufsichtigen nnd die Pflicht, dieselben bei der jährlichen Visitation 
strenge zu kontrollieren. ") Laien, auch selbst die Stifter, durften sich 
in die kirchliche Vermögen3verwaltung nicht einmischen. Sie jollten 
weder Kirchen noch deren Vermögen in Besitz oder Verwaltung haben.*) 
:) Hefele, 1. c. Ul, S. 50. 
2) 1.70. €. 101. 
9) 1. c. S. 648. 
4) 1. c. S. 92, 93, 648, 710, 518. 
8) [. c. S. 486. 
8): 1,70: S: 695, 26. 
7) Dr. Raßinger, Geschichte der kir<l. Armenpfl. 2. Aufl. S. 203. 
8) Hefele, l. c. S. 4, 33. 
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