Volltext: Geschichte des Bistums Chur

Von Bischof Tello bis Bischof Gerbrath 37 
Damit waren die Cigentumsverhältnisse geregelt, die kirchlichen 
Rechte des Bischofs geschüßt. Immerhin war dieser aber auch in 
Zukunft vor Vexationen der Grafen nicht gesichert, so lange dieselben 
auch über das Eigentum des Bischofs und dessen Leute Jurisdiktion 
ausSüben konnten. DeShalb erwirkte Bischof Viktor gleichzeitig von 
Ludwig d. Fr. ein Diplom, in welchem bestimmt wird, daß fein 
Graf, oder sonst mit richterlicher Gewalt ausgerüsteter Beamter in 
die Kirchen, Orte, Grundstücke, oder sonstige dem Bistum Chur im 
Churgau, Elsaßgau oder im Derzogtum Alemannien gehörigen Be- 
sikungen -- sei es diejenigen, welche ihm durch königliche Verfügung 
erstattet wurden, sei es diejenigen, welche es gegenwärtig geseßlich, 
innehat, sowie in diejenigen, welche es in Zukunft erwerben wird 
= joll eindringen dürfen, um Recht zu sprechen, Friedgelder 
oder Grundstenern zu erheben, auf seinen Reisen Quartier und 
Verpflegung zu fordern oder Bürgschaft für das Erscheinen vor seinem 
Gerichte sich geben zu lassen oder die Leute, welche auf bischöflichem 
Grundeigentume sien, wider Recht vor sein Gericht zu laden oder 
Zeit zur Unterhaltung des Heere3 als Prekarie und gegen Zin8 verbleibe 
- - . und wenn derjenige, dem das Kirc<hengut als Kommende gegeben ist, 
stirbt, so fällt es der Kirche jogleich wieder zurück.“ (Hefele l. c. S. 468.) 
(E3 handelte sich also nur um eine zeitweilige Maßregel und diese wurde 76 
Jahre vor der ersten Klage des Bischofs Viktor getroffen! Schon aus 
diesem Grunde ist ein Zusammenhang der Gewalttätigkeiten Roderich3 mit 
den Bestimmungen des Konzilium Liftinense ausgeschlossen. Zudem spricht 
Bischof Viktor von „illa diviSio, quam bona: memories genitor vester inter 
episcopatum et comitatum fieri precepit.“ (Mohr I. n. 15) Die Divisio 
wurde also weder von Karlmann noch PBipin, sondern von Kax!l d. Gr. 
(genitoris vestri Karoli. Mohr 1, u. 17) angeordnet. E38 handelte sich nicht 
um die Teilung von Kirc<hengütern, jondern um eine Ausscheidung zwischen 
Bistum und Grafschaft. Diese leßtere hatten die Bischöfe lange Zeit be- 
jessen, aber jeht durch die Divisio verloren („et nos longo tempore ab ipso 
fuimus vestiti“). 
Roderich war Graf in Rätien. „Que distructio . . . Subito aroderico 
et Suo pravo Socio herloino PoSt acceptum comitatum facta est et adhuc 
ita permanet.“ Hier kann doch nur von der Grafschaft in Rätien und zwar 
von der in Oberrätien die Rede sein. 
Was Graf Roderich vornahm, war nicht nur eine „in zu gewalt- 
tätiger Weise durchgeführte divisio“, sondern ein Raub. Ludwig d. Ir. 
jelbst nennt ihn einen Räuber („Ipsumque rodoricum predatorem“ Mohr I. n. 
19). Und sollte es bloß eine „in zu gewalttätiger Weise durchgeführte 
divisio" jein, wenn die bischöfliche Wohnung zerstört (distructa domus), die 
Kathedrale selbst beraubt (depredata Sancta Curiensis ecelesia), der Gotte3dienst 
behindert, die Spitäler und Armenhäuser vernichtet werden u. j. w.! (Vergl. 
auch A. Ströbele im Jahrbuch f. Schireiz-Gesch. Bd. 30, S. 18 u. 4.) 
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