Volltext: Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs und der angrenzenden Gebiete besonders in der ältesten und älteren Zeit

Joseph Bergmann. Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs 
Das kleine Land kam von seinem alten Wohlstande herab und verarmte durch grosse und andauernde 
Unkosten für den Landesausschuss und das stehende Schmid’sche Regiment, durch Vertheuerung aller 
Lebensmittel, da theils mehr als im Frieden aufgezehrt, theils alles im Hoheneggischen ') — dem Getreide- 
boden des alten Vorralbergs — und im angrenzenden Allgau vom Feinde bei seinen Einfällen verheert wurde. 
Viel litt das Land durch erschwerte Zufuhr aus Oberschwaben, durch erhöhte Zölle zu Konstanz für die 
nach Vorarlberg bestimmten Waaren, besonders schmerzte das treue Volk die sechzehnfache Erhöhung 
der Einfuhrsgebühr für den Wein, nämlich von 15 Kreuzern auf vier Gulden pr. Fuder und zwar um 
so mehr, als aus politischen Gründen, um die Schweizer bei guter Stimmung zu erhalten , die St. Galler 
nur 1 fl. 30. kr. und die am Rhein weiter abwärts Wohnenden gar keinen Zoll bezahlten. Vorzüglich litt 
das Unterland , dem jede Drohung, jeder Anfall zunächst galt, und die Stände des Oberlandes mit dem 
Zuzug der Mannschaft, mit den Leistungen an Geld bei eigener Noth zögerten und langsam waren. Einig waren 
die Stände, wenn der Feind vor dem Thore stand. sonst zwiespältig, indem die des obern Landestheiles, 
entfernter von der Gefahr, weniger leisten wollten. Viel littdas Land durch öftere Durchmärsche, so im Jahre 
1630 von deutschen Truppen, die in den Mantuanischen Erbfolgekrieg zogen, so 1640 von spanischen, 
die aus der Lombardie durch Graubünden an den Untersee gegen das Weimar’sche Heer, das unter dem 
fränzösischen Marschall Guebhriant stand, marschirten. Weiter littdas Land durch Oberste, wie König im nahen 
Lindau; deren Treue verdächtig war, oder durch eigennützige Commandanten wie Vizthum von Eckstadt 
oder Loy. der in Folge von Klagen von der Oberstfeldhauptmannschaft in Vorarlberg im Jahre 1643 nach 
Innsbruck abberufen wurde, oder durch Sorglosigkeit. wie die des Grafen von Hohenems und des Obersten 
Keller. 
Im Jahre 1643 zählte Vorarlberg nur noch 8163 streitbare Männer von 16 bis 60 Jahren, also 5683 
weniger als 1601. Es ward ein Ausschuss von 4897 Mann in drei Aufgeboten und ein Landesregiment 
von 1000 Mann organisirt , das sich von seinem Obersten Äscher das Äscher’sche nannte 9. 
So war das kleine Land, grösstentheils auf seine eigene Kraft angewiesen, durch lang anhaltende und 
öfter wiederholte Felddienste erschöpft. Für die bedrohliche Zukunft blind, entliessen die schlecht vorsor- 
genden Stände der Unkosten halber durch Stimmenmehrheit die Hilfstruppen nach Hause. Es ward viel 
protokollirt, wenig und ohne Kraft gehandelt. So war denn Bregenz verloren. Die schnell aufgebotenen Lan- 
desschützen ohne Obdach bei mangelhafter Nahrung und kärglichem Schiessbedarf zu längerem Kampfe 
vermochten bei aller Tapferkeit und Ausdauer einzelner Hauptleute, wie Balthasar Heltmann’s*) aus Feld- 
kirch, und einiger Abtheilungen nicht sich gegen des Generals Karl Gustav Wrangel Übermacht zu halten. 
Von wegekundigen Leuten aus dem Allgau geführt, folgten die Feinde den Fussstapfen der Fliehenden im 
neugefallenen Schnee, nahmen über den Pfänder hereinfallend. die Stadt am 4. Jänner 1647 ein, und zugleich 
den Commandanten, den Obersten Äscher, gefangen. Sie gewannen unermessliche Beute, angeblich 
vier Millionen Gulden im Werthe, indem die reichen Abteien, besonders die von Kempten, und der Adel 
Oberschwabens ihre Kostbarkeiten und beste Habe dahin in vermeintliche Sicherheit gebracht hatten. 
Fünfhundert schwer beladene Wagen , namentlich das Mobilarvermögen der Grafen von Hohenems , Wald- 
burg-Zeil und Königseck wurden weggeführt. Nach so beschehenem Fall, sagt Prugger in seiner Feldkircher 
Chronik, S. 67, haben die schwedischen Vorgesetzten sich doch nicht getraut in dieses Land heraufzukommen, 
sondern haben die Stände nach Bregenz berufen, und mit ihnen der Brandsteuer halber also tractiret, dass 
ein jedes Haus von Stadt und Land 18 Gulden Brandschatzung geben soll — welches eingegangen worden, 
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ı) Die Herrschaft Hohenegg kaufte Graf Wilhelm von Montfort-Bregenz am 17. Dec. 1359 von den Gebrüdern v. Hohenegg. Im Pariser Frieden 
1814, wurde sie an die Krone Baiern abgetreten, und macht nun einen Theil des k. Landgerichtes Weiler. 
*) Der ehrliche, wackere Valentin Schmid v. Wellenstein, war am 12, April 1639 gestorben. Über Wellenstein, ausserhalb der Stadt Bregenz 
gelegen, und dessen Besitzer s, Weizenegger-Merkle. Bd. II, 334 f, 
'\ Heltmann, der sich früher als Hauptmann in Italien auszeichnete, ist der mütterliche Ahnherr des am 19. September 1709 durch K. Joseph I. 
in den Adelstand erhobenen Geschlechtes v. Zwickle in Feldkirch.
	        

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