Volltext: Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs und der angrenzenden Gebiete besonders in der ältesten und älteren Zeit

und der angrenzenden Gebiete , besonders in der ältesten und älteren Zeit. 
namentlich genannt‘). Die Zahl der Romanischen, von denen mehrere deutsch klingende Namen führen, 
ist mehr als doppelt überwiegend. Diese Namen zeigen genugsam das Gemengsel der zusammenleben- 
den Bevölkerung und die allmähliche Verschmelzung des Doppel-Elementes zu einem Volke an. Die 
Geschlechtsnamen Battlogg, Carnel (j. Fleisch) , Ganahl (Canal), Lorezin, Rudigier, Tschanhenz (d. 1. 
Hanns Heinrich), Tschanun (d. i. Giannone), Tschöfen, Tschöl, Valaster ete. im Thale Montavon, bezeugen 
heute noch deren romanische Abkunft. Aus dieser wichtigen Urkunde erhellet, dass zu Vinomna im Anfang 
des X. Jahrhunderts sowohl nach römischem als alemannischem Gesetze Recht gesprochen wurde. 
Damals galt das System des persönlichen oder Nationalrechtes, wonach Jeder nach dem Rechte seines Vol- 
kes gerichtet zu werden verlangen konnte, wenn er von andern belangt oder verklagt wurde. Von nun an 
aber ging die Verdeutschung dieser Gegend rasch vor sich. — 
Rankweil. Wie wir so eben gelesen, hatte der Churer Bischof Rothar um 888 nebst dem Kloster 
Tuberis auch die Pfarrkirchen (plebes) zu Vinomna und Nüziders eingetauscht. Hiemit stimmt der Ein- 
künfte - Rodel ?) des Bisthums Chur überein, der muthmasslich im XI. Jahrhunderte verfasst zum ersten 
Mal den deutschen Namen Ranguila uns überliefert. Nach demselben hatte die bischöfliche Kirche so- 
wohl im äussern als innern Walgau nicht unbeträchtliche Einkünfte aus Dörfern, Weilern, Höfen, Alpen, 
von Wiesen, Bauland, Weingärten, Waldung ete. theils aus unverlehntem d. i. Herrengute (terra dominica), 
theils aus Lehenzenten. Diese Besitzungen und Rechte rühren aus früher Zeit her, wie das Wörtchen 
olim in der ersten Zeile anzeigt. 
Die Verwaltung dieser entlegenen und zerstreuten Besitzungen brachte es mit sich, dass eines der 
Dörfer das Hauptdorf mit einem Haupthofe sein musste, von welchem die Bewirthschaftung der Güter aus- 
ging, und wohin die sowohl von den Herren- als Lehengütern entfallenden Einkünfte zusammenflossen. 
Dieser Hauptort war Vinomna oder Rankweil. Siso hiess der damalige Verwalter oder Einnehmer der 
churischen Einkünfte im Walgau. Dies besagt uns der Eingang des Rodels: Curiensis ecclesiae redditus 
(sie) olim et ministerium in pago vallis Drusianae. Haec inuenimus in ministerio (im Dienste), 
quod habuit Siso in pago vallis Drusianae. — In Ranguila ecclesia plebeia*) cui reddunt deei- 
mam istae villae: Ranguila, Sulles*), Monticulus, Segavio, das eine Kirche hatte. Ferner 
kamen dahin die Abgaben: de ecclesia S. Petri ad Campos ti. Feldkircha beneficium . .. . dam: 
beneficium Nordolchi ad Feld chirichun, — Capella ad Rautenen (Rötis); darauf lautetes: — 
Alpes II. Montem. Silvam. Retinam”) ad S. Vietorem. — Arnolfus ad Cazzeses ®) (habet) iugera 
XXI. — — Piscina ad Pontilles 7). In Ranguilis. Curtis dominica cum ecclesia. — — 
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1) Neugart pag. 572. N. DCCV. und Theod. v. Mohr’s Cod. diplom. Nr. 40. ef. Eichhorn Epise. Cur. p. 47. Kaiser p. 42, 
?) In des Freiherrn v. Hormayr sämmtl. Werken Stuttgart, 1820, Bd. II, Urkundenbuch S. XXIX, uncorreect abgedruckt; nach neuer Ver- 
gleichung mit der von Ägid Tschudi (+ 1571) gemachten und zu St. Gallen verwahrten Abschrift correct in v. Mohr’s Cod. diplom, 
N. 193, p. 283—300. — Eichhorn und Zellweger setzen die Zeit der Abfassung dieses Rodels, dessen Original verloren gegangen, 
ins XL, v. Arx ins XII. Jahrhundert. Wenn der (bei v. Mohr S. 286) die Kirche zu Thüringen (im innern Walgau) sammt dem dortigen 
Zehnten innehabende Adam mit jenem in derselben Gegend kaiserliche Lehen besitzenden Adam, der wegen eines Verbrechens sein 
„eben verwirkt, von K. Otto I. aber im J. 949 wieder Begnadigung erhalten hat (vgl. S.84£.), eine und dieselbe Person ist, so fällt die 
Abfassung des Rodels vor die Mitte des X. Jahrhunderts, 
Diese ecelesia plebeia halte ich nicht mit Herrn v, Mohr, S. 283, für U. L. Frauenkirche auf dem Berge, deren Entstehen einer 
spätern Zeit angehört, sondern für die alte Kirche zu St, Peter unten am Berge, wohin ganz natürlich auch die villa Ranguila ihren 
Zehent zu entrichten hatte. 
Sulles ist Sulz, früher zu Rankweil gehörig, erhielt vor etlichen Jahren eine eigene Pfarre. Monticulus ist nicht Montiglen jenseits 
des Rheins, sondern in der Pfarre Gävis gelegen. Im Churer Urbar von 1393 heisst es noch Muntigel und verschrumpfte wahrschein- 
lich aus Montschels im Volksmunde ins heutige Matschels, gleichwie Matschels bei Novels am Rheine, — Segavio ist die 
Pfarre Gävis, richtiger als die heutige Schreibweise Göfis, 
Statt Retinam dürfte es in dieser Verbindung vielleicht richtiger Resinam, d. i. Harz, Pech von der Waldung auf dem hochgelegenen 
St. Vietorsberg heissen. 
*) Cazzeses das heutige Götzis oder richtiger Gätzis. 
) Ad Pontilles bei v. Mohr S. 300 Ranks, richtiger Banks bei Novels am Rheine. Dürfte dieser Fischteich nicht näher bei einer 
Brücke über die Frutz gewesen sein? Dieses ad Pontilles als ad pontem fluvii 111i zu deuten, scheint mir allzu gewagt. 
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