Volltext: Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs und der angrenzenden Gebiete besonders in der ältesten und älteren Zeit

und der angrenzenden Gebiete, besonders in der ältesten und älteren Zeit. 
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„—exinde usque ad montium summitates, vulgo Schneeleuffe” gehört viel späterer, ja neuerer Zeit, 
vielleicht dem Abschreiber an. 
Da diese Urkunde unbestreitbar ein unechtes Machwerk ist, und in zwei anderen, laut welcher derselbe 
Kaiser an demselben Orte Natta und am nämlichen Tage dem Hochstifte Chur Forste schenkt, sogar 
zwei Grafschaften in Churrhätien, nämlich Otto’s und Eberhard’s, ausdrücklich genannt sind, 
so bezweifelte ich voll des Misstrauens deren Echtheit. Um diesen Zweifel zu heben, wandte ich mich an 
Herrn Bundesstatthalter v. Mohr, der beide Pergamenturkunden aus dem bischöflichen Archiv erhob und 
mich durch deren Zusendung zur Einsichtnahme aufs Angenehmste überraschte. Zwei mit derlei Denk- 
mälern wohlvertraute und gelehrte Archivare des k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Herr Regierungsrath 
Chmel und Dr. Andreas v. Meiller, haben sie sorgfältig nach allen Merkmalen geprüft und beide 
Stücke durchaus echt befunden. Beide sind in v. Mohr’s Codex diplomatieus Nr. 92 und 93 correet 
abgedruckt. 
Die Hauptstelle in Nr. 93 lautet: „— Nos ( Heinricus) petitione ac ob fidele seruitium fidelis nostri 
ecuriensis episcopi ad altare sanctae dei genitricis MARIE, eiusdem episcopit. quoddam forestum in 
comitatu (EB) ERHARDT comitis situm. cuius limites sunt « summo monte VGO usque ad fluuium 
ARGA. qui fluil inter BVGV. et QVARAVEDE *) cum con... su praedicti comitis EBERHARDI 
caeterorumque conprouineialium cum nostro imperiali banno habendum concepimus ete.” Eberhard 
erscheint als Gaugraf, in dessen Gebiet Pfävers und Schännis lagen, zum ersten Male im Jahre 1040, dann 
1045 und zuletzt noch im Jahre 1067 (v. Mohr Nr. 89, 90 und 96). 
Wichtiger zu unserm Zwecke ist die Urkunde Nr. 92 wegen der in ihr vorkommenden Eigennamen. 
Ihre Hauptstelle lautet: „Nos (sc. Heinricus) ad altare sanctae Dei genetricis MARIE. quod est in 
CVRIA bannum nostrum super unum forestum in comitatu OTTONIS comitis situm ecuius limites ?) 
sunt a ualle VERSAMIA. ex ulraque parte RHENI. usque ad fluwium LANGORVM. in monte et 
planitie cum consensu praedicti OTTONIS comitis. et RVDOLFI. EGINONIS et filiorum eius. alterius 
EGINONIS. HVNBERTI. ADELBERONIS, et caeterorum conprouincialium. et ex alia parte RHENI 
usque ad TVMINGA. quae fluit per REGACIEM cum consensu etiam uenerabilis abbatis FABARIENSIS 
PIRIHTILONIS et aduocati sui WERENHERI. °) concessimus habendum ete.” 
Nun wollen wir noch andere Forscher und Geschichtschreiber vernehmen, wer denn dieser Graf Otto 
gewesen sei, und dann weiter über die vermeintliche Abstammung der Grafen von Tirol von dieses 
Otto angeblichen Söhnen reden. 
Nach Eichhorn, S.-63, ist dieser Graf Otto der gleichzeitige Herzog Otto II. von Schwaben oder 
richtiger Alemannien, Graf von Schweinfurt mit seinen Söhnen Rudolf und Egino, da .doch, nach 
dem streng kritischen Stälin I, 492, dieser Herzog, der am 28. September 1057 starb, gar keinen Sohn, 
sondern nur fünf Töchter hinterliess. 
Noch überliefert uns die Geschichte einen späteren Otto als den, dessen die Urkunde vom 12. Juli 
1050 erwähnt, als comes Rhaetiae Curiensis, der von Neugart Episcop. Constant. pag. 401 und 
412 ein Sohn Ulrich’s Grafen von Bregenz genannt und vom Freiherrn von Hormayr Bd. I, Tab. XI, als 
solcher diesem Geschlechte eingereiht ist. Dieser wurde als Anhänger K. Heinrich’s IV. vom Herzog 
Welf I. von Baiern, der durch das Oberinnthal und das Engadin im Februar 1079 nach Churrhätien her- 
einbrach, mit Feuer und Schwert bekriegt. Sollte in Bezug auf die Länge der Zeit der Graf Otto von 1050 
') Bugu und Quaravede sind Buchs und Grabs im heutigen Bezirke Werdenberg. Die unrichtige Lesart dieser beiden Urkunden in von 
Vanotti’s Geschichte der Grafen von Montfort und Werdenberg, S. 15, berichtiget v. Mohr in der Anmerk. zu Nr. 93, S. 132. 
*) Dieser Forst erstreckte sich vom Versamer Tobel (ob der Zollbrücke) bis zur Lanquart auf dem rechten Rheinufer, und auf dem linken 
bis zur Tamina, die Ragaz durchfliesst. Demnach stand Otto der Grafschaft ob der Lanquart, und Eberhard der unter der Lan- 
quart vor. 
*) Die in Uncialen gedruckten Eigennamen sind auch so im Originale geschrieben. 
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