Volltext: Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs und der angrenzenden Gebiete besonders in der ältesten und älteren Zeit

5% Joseph Bergmann. Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs 
Von Feldkirch aus besuchte ich in Begleitung des Herrn Cameral-Commissärs Anton Vonbun und 
des Herrn Med. Doctor Kessler das nahe hinter dem Steinwald gelegene Pfarrdorf Gäfis oder richtiger 
Gävis, da dieser Ort im alten Churer Urbar Sigävis heisst. Die Namen der dortigen Weiler sind noch 
unverkennbar romanischen Klanges, so Tschöl (schola) unweit der Kirche, Rungels *) , Tufers (vgl. Tau- 
fers im Vinschgau), Tums etc. Von diesem letzten aus stiegen wir auf dem sogenannten Heidenweg zur 
Heidenburg hinauf. Diese liegt südöstlich von Gävis auf einem freistehenden Bergkegel, und wird 
für die Stelle der römischen CLUNIA gehalten. Auf der Höhe betritt man eine mässige Ebene, welche der 
Feste zu einem guten Vorplatze diente, in die sie auch wahrscheinlich mit einbezogen war. Das an manchen 
Stellen noch über sechs Fuss hohe Mauerwerk, einst mit einem etwa in acht bis zehn Minuten rings- 
umgehbaren Gange oder Graben umzogen , ist nun von jungem Tannenwuchse überwuchert. Die bedeu- 
tende Höhe dieser Warte, die mit mehreren Thürmen — wie man etliche noch im Anfange dieses Jahr- 
hunderts gesehen haben will — besetzt war, gewährt eine herrliche Umschau, bald hinab in die zer- 
streuten Häusergruppen der Pfarre Gävis und gegen die Valduner Klause, bald südlich und südwestlich 
über die Il hin gegen den Fällengatter, über den einst die Strasse führte, bevor die Brücke über die 
Schlucht bei Heiligenkreuz gebaut war, bald östlich hinein in den Walgau, in die Vallis Drusiana. Von 
dieser Hochwarte konnte jeder, der sie inne hatte, war er Rhätier, Römer oder ein späterer Alemanne, 
den nahenden Feind von Ferne sehen und seinen Weiterzug hemmen oder verhindern. Dieser Punet blieb 
sicherlich weder zur Zeit der Römer noch des fehdelustigen Mittelalters unbeachtet und unbenützt. 
Vor etwa vierzig Jahren fand man auf dem Heidenweg im Schutte einen bronzenen Reiter zu 
Pferde mit zersprungener Brust, der nach Angabe von Augenzeugen in der Rechten einen Secepter oder 
Stab hielt, und am Helme glänzte ein Stern, Leider ist dieser Reiter als altes Metall verkauft und ein- 
geschmolzen worden. Auch fand man zugleich ein eisernes viereckiges Kochgeschirr, das aus der nach- 
römischen Epoche herstammt. Jm Jahre 1825 liess eine Gesellschaft zu Feldkirch auf ihre Unkosten 
daselbst Nachgrabungen anstellen, Die Ausbeute bestand aus einem Stücke Eisen, das einem Schlüssel 
ähnlich sah, und einer Fibula in Bronze. Auch fand man eine Kupfermünze des Kaisers M. Claudius Taei- 
tus (+ 276) mit der Umschrift: MP. (d. i. IMPerator) C. M. CL. TACITVS. AVG. Rev. MARTI. PACIF. ?) — Herr 
Dr. Kessler zeigte mir eine dort gefundene Silbermünze, sie war ein — St. Gallischer Braeteat. 
VIL 
Über die römischen Heerstrassen in der östlichen Rhaetia I, in Tirol und über den Arlberg, 
Schon Julius Cäsar wünschte, nach Bell. Gallie. II, 1, den Weg durch die Alpen zu eröffnen. Diesen 
Wunsch erfüllte sein Erbe Augustus. Die grösseren und kleineren Volksstämme Rhätiens, die in ihrer Armuth 
Italien früher durch räuberische Einfälle beunruhigten, sind nach Strabo *) theils durch’s Schwert gefallen, 
theils gänzlich bezähmt, so dass der Übergänge über das Gebirg, deren es. vordem nur wenige und höchst 
beschwerliche gab, jetzt mehrere (zxohhay6dev) und diese vor Überfällen sicher und gut zu gebrauchen 
sind, was durch Kunst bewerkstelligt wurde. Der Kaiser Augustus verband nämlich mit der Vertilgung 
der Räuber auch die Gangbarmachung der Wege, so viel nach der Beschaffenheit des Alpenlandes möglich 
war ete. 
Wir beachten hier nur die zwei Hauptpforten, die aus Oberitalien durch die rhätischen Alpen nach 
Augusta Vindelicorum, der römischen Hauptstadt und dem Knotenpunete der Strassen in Vindelieien oder 
Rhaetia II. Die eine zog von Verona durch Tirol über den Brenner und die Scharnitz, die andere von Como 
') Von roncare, ausreuten, vgl. Rungaletsch bei Nenzing, Rungelin bei Bludenz; Rag gäl im obern Walserthal heisst urkundlich 
Roncal. 
*) S. Vorarlberg, aus den Papieren des sel. Franz Jos. Weizenegger von Meinrad Merkle, Innsbruck 1839, Bd. II, 219. 
3) So Strabo, Buch IV, 6. Seine Lebenszeit fällt unter Augustus und in die ersten fünf Jahre des K. Tiberius, er starb anno urbis con- 
ditae 777 oder 24 J. nach Chr.
	        

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