Volltext: Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs und der angrenzenden Gebiete besonders in der ältesten und älteren Zeit

Joseph Bergmann. Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs 
Sache forderte, dass Colonnen in all’ diesen Richtungen zogen, um nicht umgangen und aufgerieben zu 
werden. 
Zugleich mit dem Einmarsch von Trient herauf musste auch der über Chiavenna in die Thäler des 
westlichen, naehherigen Churrhätiens versucht und ausgeführt werden. 
Hier mussten die Eroberer naturgemäss dem Laufe des Rheins abwärts zum Bodensee folgen. Konnten 
abernicht auch unterhalb Chur an der Lanquart Drusianische Colonnen durch die dortige Klause, die Thalpforte, 
welche einst die Burg Frackstein oder Ferporta (Ferrea porta) schützte, in das triftenreiche Prätigau einge- 
drungen sein und ihren Zug im Sommer, wo die Alpenpässe offen sind, über die Kette des Rhäticon*) in’s 
Ilthal, d. i.in den Walgau, und von da nach dem Bodensee und dem Lande der Vindelicier genommen haben? 
Nach wohl überlegtem Plane und im Einverständnisse mit Drusus führte sein älterer Bruder Tiberius, 
den sein Stiefvater im Jahre 18 vor Christus über Gallien gesetzt hatte *), durch das dazu gehörige 
Helvetien die römischen Legionen zum ersten Male an den Bodensee, der mit der wichtigen Klause vom 
vorrömischen Bregenz als natürliches Bollwerk der an denselben grenzenden Rhätier auf dieser Seite sich 
der Vereinigung beider Brüder entgegenstellte. Tiberiusschuf eine Flotte *); fuhr über den See und besetzte 
die Insel, meines Erachtens Lindau *). Von hier aus griff er die aufgeschreckten Feinde in ihren kleinen 
Kähnen an und schlug sie. Bald stieg er an’s Land und lieferte mit Drusus vereint im August die 
blutige Entscheidungsschlacht. Nach Horaz, der von diesen Vorfällen Näheres wissen musste, gebührt 
vorzüglich dem Tiberius dem Siegesruhm: 
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El 
„Major Neronum mox grave proelium 
Commisit, immanesque Rhaetos 
Auspiclis pepulit secundis”. 
„— Barbarorum Claudius agmina 
Ferrata 5) vasto. diruit impetu, 
Primosque et extremos metendo, 
Stravit humum sine eclade vietor” —. (ibid. vrs. 29 — 32) 
woraus man klar ersieht, dass er der Barbaren eisenbewehrte Scharen im gewaltigen Anprall niederschlug 
und sonder Verlust, siegreich ihre Vorder- und Hinterreihen zur Erde mäh’te. Vgl. Vellejus Patercu- 
lus II, 95. Der Ort, wo, nämlich im hügelreichen Allgau oder in den Ebenen am Lech, diese Schlacht 
geschlagen wurde, kann mit Sicherheit nicht bestimmt werden. Sagt doch Horaz: „ Videre Rhaetis sub — 
nicht in — Alpibus Drusum bella gerentem Vindeliei.” 
Bedenkt man aber, meint Gustav Schwab S. 60, dass Drusus höchst wahrscheinlich in’s Rheinthal 
herabgerückt war, und die Namen Druserthor und Vallis Drusiana, die nur ein sehr Ungläubiger 
von andern Sprachwurzeln ableiten wird, auf Standlager dieses Feldherrn hindeuten. so muss man es wahr- 
‘) Der Rhäticon läuft vom Gebirgsknoten der Selvretta aus, wird zum Scheidewall zwischen dem Prätigau und dem Illthale, und senkt sich 
bei den St. Luziensteig steil in’s Rheinthal hinab. — Um den Zusammenhang des Drusianischen Zuges durch die rhätischen Alpen nicht zu 
unterbrechen, will ich nachher die Übergänge über diese Bergkette namhaft machen und die neueren Kriegs- und Streifzüge über die- 
selbe erzählen, um zu zeigen, dass der Rhäticon wirklich von Truppen öfters überstiegen worden ist. 
Tiberius posthee comatam G alliam anno fere rexit, et barbarorum ineursionibus et prineipum discordia inquietam, Exhine Rh a eti- 
eum Vindelicumque bellum, inde Pannonieum, inde Germanicum gessit. Rhaetico atque Vindelico gentes Alpinas subegit, 
Sueton, Tiber. cap. IX. 
Auch die Schweden unter Wrangel hatten im Jahre 1647 eine Flottille auf dem Bodensee. Vgl. Gustav Schwab’s Bodensee, 1827, S. 272; 
dann die Kaiserlichen im Jahre 1799 unter dem englischen Obersten Williams. Das. S; 307. 
Andere meinen die Reichenau im Untersee. Diese scheint mir nach dem Ausdrucke des Dio Cassius LIV, 22: 0ıd& t%s Alpyns mholoıs 
kopıoSeis (per lacum navigiis subvecetus) nicht gemeint zu sein. Strabo sagt S. 292 „in lacu est insula, qua pro receptaculo usus est 
Tiberius navali pugna cum Vindelieis certans.” 
Über diese agmina ferrata i.e. ferro armata, cf. Tacit. Annal. II, 45. — Unter den vielen Bronze-Monumenten, die in den keltischen Gräbern 
zu Hallstatt ausgegraben wurden, finden sich auch ein eiserner Dolch mit Griff und Scheide von Bronze, und ein Messer von Eisen. 
5. die Alterthümer vom Hallstätter Salzberg und dessen Umgebung, von Friedrich Simony, Wien 1851, Taf. V, Fig. 1a und das. Fig. 5.
	        

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