Volltext: Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs und der angrenzenden Gebiete besonders in der ältesten und älteren Zeit

Joseph Bergmann. Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs 
und die etwa schon Ausgezogenen zurückfordern. Der Kriegsherr soll einem Knechte des anderen 
Theiles des Monats für Sold zwei Gulden rheinisch, für Sold mit Lieferung (d. i. Verpflegung etc.) aber 
vier Gulden geben, mit oder ohne Lieferung, wie es demjenigen Theile, der die Knechte braucht, am 
füglichsten sein wird. 8) Wenn beide Theile mitsammen wider Jemand Krieg oder Fehde bekämen , soll 
kein Theil weder einen Frieden oder Vergleich ohne des andern Rath, Beisein, Wissen und Willen anneh- 
men noch: den andern im. Frieden ausschliessen. 9) Wenn der Kaiser oder seine Erben in einem Kriege 
Knechte aus den drei Bünden in ihrem Heere hätten, so sollen auch diese im Friedensvertrage miteinge- 
schlossen werden. 10) Im Falle einer Irrung, Fehde oder eines Krieges zwischen beiden 'Theilen und ihren 
Nachkommen und Nachfolgern soll der jeweilige Bischof zu Konstanz als von beiden Parteien erwählter 
Obmann den beiderseitigen Zusätzen (d. i. den beiderseitig in gleicher Anzahl zugezogenen Beisitzern) 
Recht sprechen und ohne weitere Appellation das Endurtheil fällen. 11) Ausgeschlossen und vorbehalten bleiben 
von beiden Theilen: der heilige Stuhl zu Rom ‚die geistliche Freiheit des Bischofs und Domcapitels zu 
Chur, das heilige römische Reich und die beiderseitigen Bundesverwandten , die vor Aufrichtung dieser 
Erbeinigung gegenseitige Verbindlichkeiten eingegangen haben. 12) Ferner gab der Kaiser für sich und 
seine Erben die Zusage, dass sie Cläven und Veltlin, so lange sie in der drei Bünde Gewalt, Handen 
und mit ihnen im Bündniss sind, weder von Tirol oder Vorarlberg aus überziehen, noch deren Überziehung 
durch diese beiden Lande gestatten wollen. 13) Dann verspricht der grossmüthige Kaiser hinfür alle 
Jahre , solange die Erbeinigung unverbrüchlich gehalten würde , jedem der drei Bünde insbesondere aus seiner 
Kammer 200 Gulden rheinisch, somit 600 Gulden auf St. Martini gen Chur zu zahlen, welche die Bünde 
auch anheute dato schon für dieses Jahr empfangen haben. 14) Dagegen soll die Eingangs erwähnte 
zwanzigjährige Vereinigung todt, ab und kraftlos sein , doch lautet es ausdrücklich: „doch wellen wir vns 
vnser Obrigkeit herrlichait vnd gerechtigkait so wir zu vnd in den Acht gerichtenn, als zu vnnsern 
aigen vnnderthanen vnd lewten haben So anch mit disen dreyen pündten verwont vnd in 
Pündtnus sein , vorbehalten.”” 15) Auch soll die halbe Zollfreiung , deren der Bischof sammt dem Dom- 
capitel, die Gotteshausleute wie auch der obere oder graue Bund sich bisher in des Kaisers Landen und 
Gebieten und Städten zu erfreuen hatten, hinfür allenthalben gegen sie aufgehoben und sie gleich Andern 
zu zahlen schuldig sein, mit Ausnahme der VIII Gerichte, so vormals auch mit Zollfreiungen begabt 
gewesen. Zum Schlusse 16) soll der Vertrag, den die Städte Feldkirch und Chur, Wein und Salz betref- 
fend, vormals (unter Rudolf, dem letzten Grafen von Montfort-Feldkirch , am 26. August 1372) mit- 
einander geschlossen haben , bei seiner Kraft verbleiben. 
Obgleich in dieser Erbeinigung unter anderm festgesetzt war, dass kein "Theil gegen den andern 
freventlich handle, sondern sich des billigen, gemeinen und gleichen Rechtes benügen lassen und ein 
klagender Unterthan dem Geklagten in sein Gericht nachfolgen soll, wollten doch die eigensinnigen und 
groben *) Leute sich nicht fügen, sondern eigengewaltig vorgehen und handeln. Jasogar der Herr und Landes- 
fürst (der römische König und Erzherzog Ferdinand 1.) war bemüssigt, wider seine eigenen Unterthanen *) 
in der Herrschaft Räzüns und in den VII Gerichten seine Beschwerden bei den Bünden vorzubringen 
und sie so zu ihrer Pflicht und Schuldigkeit anzuweisen und anzuhalten. Desshalb wurden zuerst in Meran 
Vorschläge zur Austragung dieser Misshelligkeiten gemacht und dann zu Glurns von den beiderseitigen 
Abgeordneten am 17. December 1533 ein Vertrag geschlossen, dessen XX Hauptartikel ich in besserer, 
doch der Originalurkunde im k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchive treu folgender Sprache dem Leser hier 
vorlege. Diese XX Artikel betreffen Steuern, Heiraten zwischen Gotteshaus- und Herrschaftsleuten, Vor- 
mundschaften. Pfändung , Zoll, Kauf und Verkauf, Malefizgericht , Jagdbarkeit und Wildbann , Appellation, 
156 
1!) Nach einer alten Aufzeichnung im k, k. Haus-, Hof- und Staatsarchive. 
?) Die dem Hause Österreich unterstehenden Gerichte in Graubünden sträubten sich stets Unterthanen zu heissen, wie sie doch im 
1%. Artikel der so eben vorgeführten Erbeinigung urkundlich genannt werden. Es hatten ja die Graubündner das Veltlin, Bormio und 
Cläven als Unterthanslande.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.