Volltext: Vorarlberg und Liechtenstein

Das Montafon. ur 
spiegelt sich in den einladend saubern, schönen Heimwesen und 
in der mustergültigen Alpwirtschaft und Viehzucht, die grosse 
Viehmärkte in Schruns ins Leben gerufen hat. Unter den ver- 
schiedenen Alpenvölkern Vorarlbergs haben die Montafoner am 
meisten weltmännische Art und sind für Neues und Fremdartiges 
empfänglicher als andere Gebirgsbewohner. 
Das rührt von der sommerlichen Auswanderung her, die in 
der altüberkommenen Überlieferung eines grossen Teils der Be- 
völkerung liegt. Früher nahmen selbst die Mädchen und Frauen 
daran teil; zu Hauf zogen sie als Ährenleserinnen nach Schwaben, 
um nach der Ernte mit dem gewonnenen Korn in grossen Leiter- 
wagen singend und plaudernd, oft auch die Pfeife rauchend, in die 
Heimat zurückzukehren. Unter den Kindern ist stets noch der 
Brauch des „Schwabenlaufens“ im Schwung; auch sind das ganze 
Jahr über viele Montafoner als Hausierer unterwegs, die in 
Tirol, Steiermark und Süddeutschland mit Sensen, Wetzsteinen, 
Stahl- und Eisenwaren handeln. Eine andere Spezialität unter den 
Wandersleuten des Tales bilden die Krautschneider, die mit dem 
blanken, sechsmesserigen Krauthobel auf dem Rücken, den wohl- 
gespickten Ledersack an der Seite, im Herbst den Rhein entlang 
bis nach Holland und die Donau hinab bis nach Ungarn ziehen, 
und den Bauern die Kohlköpfe zu Sauerkraut schneiden. Andere 
Montafoner machen sich Ende Winters als Maurer, Steinhauer, 
Gipser auf den Weg nach Deutschland und Frankreich, was er- 
klärt, dass man hie und da Montafoner auch in der Heimat franzö- 
sisch untereinander sprechen hört. Seit sich durch den Fremden- 
verkehr in der Heimat selber neue Verdienstquellen geöffnet haben, 
ist die Auswanderung nicht mehr so umfangreich wie vor einem 
Vierteljahrhundert, doch verdankt ihr das Tal zweifelsohne vieles 
vom blühenden Wohlstand, der seine Dörfer auszeichnet. 
Aus dem regen Volksleben des Montafon, gerade aus Schruns, 
sind einige Männer hervorgegangen, deren Namen mit Ehren in 
der vorarlbergischen Geschichte stehen. Da nennt das Volks- 
gedenken vor allem Landammann Ignaz Vonier, der sich an der 
Seite Battloggs kraftvoll gegen den Übermut der Franzosen wandte; 
in der vorarlbergischen Wissenschaft aber gewann Ignaz Vonier, ein 
Namensvetter des Landammanns, als Professor in Feldkirch den 
Ruf eines hervorragenden Philologen, und in der Kunst zeichnete 
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