Volltext: Peter Kaiser

  
Flüchtling Karl Völker, von dem er seit seiner Abreise von Hofwil weiter 
nichts mehr gehört hatte, schriftlich angefragt, ob er an einer solchen Stelle 
interessiert wáre.?? Peter Kaiser gelangte jedoch nach Lenzburg. Für ihn 
kam ein Lehrer nach Yverdon, der — so Kaiser — gewiss nichts tauge.?! Im 
náchsten Brief an den Tübinger Theologen Christian Wurm, verfasst am 
26.September 1823 in Lenzburg,?? áusserte sich Kaiser über seine Absich- 
ten. In Lenzburg werde er «schwerlich» bleiben, er wolle vielmehr eine 
Universität suchen, an der er lehren könnte. Wie es mit Tübingen stehe? 
Im Oktober 1823 glaubte Kaiser mit Bestimmtheit/?? dass er wieder einen 
Wirkungskreis finden werde, den er liebe. Eine «Erziehungsanstalt nach 
dem Ideale Pestalozzis auf deutschem Boden würde ihn freuen». Er habe 
oft grosse Sehnsucht, nach Deutschland zurückzukehren, jedoch 
schrecke ihn die Aussicht auf enttäuschte Erwartungen. Er möchte ungern 
privat dozieren, aber seine finanziellen Verhältnisse würden ihn dazu 
zwingen. Er werde ein halbes Jahr in Lenzburg bleiben und Privatstudien 
betreiben — «so lange reichen meine kümmerlichen Mittel aus». Während 
dieser Zeit hoffte er eine Stelle zu erhalten. Er habe in Lenzburg Zeit, 
einige Freunde und führe ein ziemlich glückliches Leben — aus dem 
Schreiben sind jedoch auch eine gewisse Verlorenheit und ein Gefühl der 
Frustration spürbar. Er beschäftige sich mit Geschichte, wo er etwas «für 
den Druck vorbereiten» wollte, mit Sprache, Philosophie und Pädagogik. 
Besonders fühle er sich vom Vordenker des Idealismus, Johann Gottlieb 
Fichte angezogen, obwohl dieser «kein Philosoph für unsere Zeit» sei.?* 
Tatsächlich wird in den nächsten Briefen die «geistige Erneuerung durch 
eine deutsche Nationalerziehung», welche Fichte, von Kaiser als «Ur- 
quell» und «Urlicht» bezeichnet, 1807/08 in seinen «Reden an die deut- 
sche Nation» gefordert hatte, ein Thema. Christian Wurm und Kaiser 
vgl. W. C. JACOBS;J. G. Fichte in Selbstzeugnis- 
sen und Bilddokumenten. Reinbek 1984. — 
P.ROHS: Johann Gottlieb Fichte. München 
1991 (Beck'sche Reihe 521. Grosse Denker). — 
M. BUHR/D. LOSURDO: Fichte — die Franzó- 
sische Revolution und das Ideal vom ewigen 
Frieden. Berlin 1991. 
Pläne 
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