Volltext: Peter Kaiser

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Unterricht 
wiesen unterschiedlichen Eifer auf, waren manchmal «zu schlaff» und hat- 
ten «zu wenig Talent». Einzelne solcher Schüler wurden versetzt, um den 
Fortgang der Arbeit nicht aufzuhalten. Dies war etwa der Fall bei einem 
Knaben, der «viel zur gänzlichen Erschlaffung» der Klasse beitrug. Weil er 
allerdings Engländer war, kam ihm «die Nichtkenntnis der (deutschen) 
Sprache zur Stütze und zur Entschuldigung seiner angebornen Trägheit»; 
Kaiser meinte, es wäre am besten, den Schüler aus der Klasse zu entfernen, 
weil «er auf ihren Geist nicht vortheilhaft» wirke. 
Im Bericht über den Unterricht im Fach Rómische Geschichte, wo er in der 
dritten bis fünften Klasse gemeinsam die Kaiserzeit behandelte, die das 
«mposante Schauspiel einer Weltmonarchie» zeige, kommen Kaisers 
politische Wertvorstellungen und Überzeugungen recht deutlich zum 
Ausdruck.? Er unterteilte die ersten vier Jahrhunderte nach christlicher 
Zeitrechnung in vier Abschnitte und einzelne Kapitel. 
Der erste Teil umfasste die Zeit bis zum Jahr 68 nach Christus. Kaiser 
Augustus habe nach seinen «bürgerlichen Siegen» die Welt «um die Frei- 
heit betrogen» und eine Alleinherrschaft begründet. Tiberius, «in seiner 
finstern Seele keine menschliche Regung hegend», galt Kaiser als ein 
«vollendeter Despot», der jede Grósse, jedes Gefühl, alles Freie und Edle 
ausgerottet habe. Der ganze Abschnitt sei «grauenvoll und empórend für 
jedes menschlich fühlende Gemüth»; das Haus ende «grässlich durch 
Nero». Positive Erscheinungen der Zeit seien die «Hermannsschlacht» im 
Teutoburger Wald und die Geburt Jesu, ein Ereignis mit unermesslichen 
Folgen. Das Altertum stürze und eine «neue Ordnung» entstehe. 
DieJahre70—180n. Chr. umfassten eine Epoche «allgemeinen Glücks und 
Wohlstandes, die Zeit der hóchsten Blüte rómischer Menschheit», Ruhe, 
Ordnung und Freiheit in Rede und Schrift seien damals zurückgekehrt. 
Christian Lippe (1779—1853). Aus 
Berlin, 1809—1822 in Hofwil als 
Lehrer tátig, führte danach eine pà- 
dagogische Anstalt auf Schloss 
Lenzburg. Dort verbrachte Peter 
Kaiser nach dem Wegzug aus Yver- 
don einige Zeit. 
  
  
 
	        

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