Volltext: Peter Kaiser

  
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Verdacht 
Herrn Müller als einen tüchtigen Freyheits Mann und als Bruder, der in 
die Hände der Ungläubigen zu Freyburg gefallen, an Franz Müller emp- 
fohlen», und ob er dabei «von den Streitern für die gute Sache» gesprochen 
habe? Was Kaiser unter «Ungläubigen» verstehe, wen er damit meine, was 
überhaupt unter der «guten Sache» zu verstehen sei? 
Aus der Instruktion geht hervor, dass das Verhör nur noch die in Freiburg 
gemachten Aussagen bestätigen sollte. Das besagte Billett hatte Kaiser «an 
den letzthin verwiesenen Andreas Stähele gerichtet», bei dem man es vor- 
gefunden hatte. Wenn Kaiser gravierende Aussagen mache, so sei ihm 
«das Gelübde des Stillschweigens und der Constituierung auf ersten 
Befehl» abzunehmen. 
Das Verhör fand am 7. September 1819 statt. Einen Tag später erhielt Peter 
Kaiser seine Schriften zurück. Gleichzeitig richtete der Berner Geheime 
Rat seine Antwort an den badischen Ministerpräsidenten von Friedrich. 
Peter Kaiser sei von «Vaduz im Fürstenthume Liechtenstein, 23(!) Jahre alt, 
Rechtsgelehrter» und Lehrer in Hofwil. Er sei geständig, in Freiburg an 
geheimen Zusammenkünften von Studenten teilgenommen zu haben; es 
«sey aber dieser Verein blos zu Ausbildung der Wissenschaften entstan- 
den, und habe durchaus keine politische Tendenz» gehabt. Seine Papiere 
bestünden zum grossen Teil aus Briefen von Verwandten und Freunden, 
einige von Ernst Münch aus Rheinfelden, ziemlich unbedeutend, Studien, 
Freundschaft und Herzensangelegenheiten betreffend. Nur in einem Brief 
der Freiburger Burschenschaft vom 10. Mai 1819 war «von politischen 
Gegenständen» die Rede. Dieser Brief wurde beschlagnahmt, allerdings 
nicht als ein wichtiges Aktenstück, sondern als Beleg für die «in Deutsch- 
land überhandnehmende Stimmung» und die Zustände in der Burschen- 
schaft. Der Brief zeige deutlich das «Dichten und Trachten dieses Studen- 
144. Zur Erinnerung an Peter Kaiser, S. 23. — 149. ALLGÄUER: Kaiser, S. 26, nach den 
Vgl. dazu auch WENTZCKE: Freiburger Bur- Vernehmlassungsprotokollen der Freiburger 
schenschaft, S. 58 f. Burschenschafter Anton Laumeyer und Karl 
145. Auch bei KIND: Kaiser, S. 17. — Kaiser Holzlin. 
selbst schreibt später in einem Brief an seinen 
Tübinger Freund Christian Wurm, Aarau, 
4. Januar 1824 (Staats- und Universitätsbiblio- 
thek Hamburg Carl von Ossietzky, Nachlass 
Christian Fr. Wurm 23.7, 34), dass er «nie ver- — 
dächtig gewesen», wenigstens nicht so, dass er 
die Lehrerlaubnis in Deutschland nicht erhal- 
ten hätte. 
146. KIND: Kaiser, S. 15 f. 
147. KIND: Kaiser, S. 16. 
148. Burgerbibliothek Bern, FA Fellenberg, 
Schachtel 13: Bericht des Unterzeichneten I. 
über den teutschen Unterricht in der 3ten 
Klasse vom 16ten April bis zum 1ten August 
(1)820 (und) II. über den lateinischen Sprach- 
unterricht in der 2ten Klasse. 
 
	        

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