Volltext: Peter Kaiser

  
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Rolle 
Peter Kaisers 
ger Studentenzeit verfasste politische Gedichte des aufgeklärten Kaiser 
wurden diesem noch lange später zum Vorwurf gemacht mit dem Hin- 
weis, dass darin sein verkappter Radikalismus zutage trete. 
Mit Karl Bader,!? dem spáteren Direktor des Polytechnikums in Karls- 
ruhe, korrespondierte Kaiser nach dessen Wegzug aus Freiburg bis in den 
Mai 1819.!* Die Korrespondenzen geben Aufschluss über die wirkliche 
Gedankenwelt Kaisers. Im Dezember 1818 fühlte er sich eher unglücklich, 
gehemmt und unzufrieden. Der Verein stehe «schlecht, auch ihn hat der 
Zahn der Zeit benagt», im grossen Haufen gehe alles verloren, weil die fel- 
senfeste Überzeugung fehle. Er selbst habe viel «Sclavisches» zu tun, er 
arbeite an «etwas Grósserem», aber «manche haben ein gemüthliches 
Leben, und brauchen sich die süsse Gewohnheit des Daseins und Wirkens 
nicht so theuer zu erkaufen». Die Burschenschaft wachse máchtig, es sei 
alles «noch im Keime bis der Tag der Reife, und so Gott will, auch der 
Árntde kommen» werde. 
In diesem ersten Brief aus Freiburg deutete Kaiser schon an, dass er die 
Stadt verlassen werde. Im Januar 1819!6 berichtete er Bader, dass es mit 
der Burschenschaft mächtig vorwärts gehe, obwohl noch die wenigsten 
Mitglieder «dressiert» seien und zu viele nicht einmal eine Ahnung davon 
hätten, «was da kommen soll». Der Antichrist müsse bald erscheinen, 
sonst verleide ihm das Leben. Im Verein lasen sie damals den «Contrat 
social», ein «treffliches Buch», und debattierten «schrecklich» darüber. Er 
habe «indess erstaunliche Ideen im Kopf», doch die «verdammten Folian- 
ten», das Studium wohl, bráchten ihn um alle Freuden. Im folgenden Brief 
berichtete Kaiser von den entmutigenden Vorgángen im Verein, in wel- 
chem es sehr trocken und wenig herzlich zugehe.!7 Weiter teilte er Bader 
die Namen von Burschenschaftern in Deutschland mit, die er kannte und 
113. MÜNCH: Erinnerungen, Bd. 1, S. 261 ff. 
114. GStA Merseburg, Rep. 77: Ministerium 
des Innern; Fünf Briefe Kaisers an Bader. — 
Zusammenfassungen der Briefe finden sich im 
Generallandesarchiv Karlsruhe, Sign. 233/ 
1711, fol. 8 (Baders Papiere, fol. 80 ff.). 
115. GStA Merseburg, Rep. 77: Ministerium 
des Innern; Kaiser an Bader, dat. Freiburg, 
56.Tag unserer deutschen Burschenschaft 
1818; Notiz Baders: Erhalten Góttingen am 
Zeichnung von C. Waldmann mit 
dem Titel: «Zu P.Kaisers Feuer- 
lied», gesungen am Fest der Bur- 
schenschaft auf dem Wartenberg im 
Oktober 1818. 
Der Text findet sich auch im Allge- 
28. Dezember 1818. 
116. GStA Merseburg, Rep. 77: Ministerium 
des Innern; Kaiser an Bader, dat. Freiburg, 
78. Tag unserer deutschen Burschenschaft 
1819; Notiz Baders: Erhalten Göttingen am 
28. Januar 1819. 
117. GStA Merseburg, Rep. 77: Ministerium 
des Innern; Kaiser an Bader, dat. Freiburg, 
1. Frühlingstag 1819; Notiz Baders: Erhalten 
am 23. März 1819. 
meinen Deutschen Kommersbuch, 
vertont von Ferdinand Fürchtegott 
Huber aus St. Gallen, der gleichzei- 
tig mit Kaiser bei Fellenberg in Hof- 
wil als Musiklehrer tätig war (1817— 
1824), dann in Bern und St. Gallen. 
— Historisch-biographisches Mu- 
sikerlexikon der Schweiz (1928),
	        

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