Volltext: Peter Kaiser

  
Der 
«Engere Verein» 
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tig empfohlen oder auf dem Korrespondenzwege angesprochen. General- 
vikar Wessenberg, der mit Ernst Münch in schriftlicher Verbindung stand, 
spendete eine beachtliche Summe zur Unterstützung des Vereins. Auch 
innerhalb der Universität gab es Unterstützung, etwa durch Karl von Rott- 
eck, der die Idee der Burschenschaft «eine göttliche» nannte, und vom 
beliebten Professor Hornthal, der, wie es hiess, von «der Deutschheit (fast) 
zu voll» sei.?! Frauen konnten damals noch nicht eigentliche Mitglieder 
des Vereins werden, doch gab es schon Bestrebungen, sie einzubezie- 
hen. 
Trotz der feurigen Begeisterung seiner Mitglieder hat der «Engere Verein» 
keine direkten Aktionen entfaltet oder konkrete Resultate erzielt — sieht 
man davon ab, dass die Diskussion und Auseinandersetzung mit den 
nationalen Fragen bei manchen Mitgliedern ein Weltbild schuf, das auch 
später standhielt. Es ist ja bemerkenswert, dass viele Ideen der Burschen- 
schafter — auch Peter Kaisers — in der Deutschen Nationalversammlung 
von 1848 erneut hervortraten und teilweise verwirklicht wurden. Im All- 
tag beschränkten sich die Mitglieder des Vereins auf die verbale Ebene. In 
Briefen ermunterten und bestärkten sie einander für den Tag, an dem das 
Morgenrot ihrer Ideen anbreche.'? Mit gewaltigen Kraftausdrücken füll- 
ten sie die Blätter ihrer Tagebücher.!^* Selbst der «Sinn und die Kraft Her- 
manns», des Siegers vom Teutoburger Walde wurden beschworen. Karl 
Bader, mit Kaiser zusammen der aktivste Genosse, trug mit Stolz den 
Namen «Washington» — verleugnete spáter jedoch die Ideen der Studen- 
tenzeit, indem er seine Tagebücher als «Depositorium seiner Narrheiten» 
und deren Auslegung als «ein höchst unangenehmes Geschift für einen 
verständigen Menschen» bezeichnete.!® Die Genossenschaft erreichte 
nur ein kurzes Leben. Der politische Druck nach der Ermordung Kotze- 
101. BayHStA MA 7717/1, f. 11. — Vgl. die 
Namen bei MÜNCH: Erinnerungen, Bd. 1, 
S. 320. — OPPERMANN: Burschenschaftliche 
Bewegung in Freiburg, S. 172. — WENTZCKE: 
Freiburger Burschenschaft, passim. 
102. BayHStA MA 7717/1, f. 11: Auch 
«Frauenzimmer (...) waren in die Geheimnisse 
des Vereins eingeweiht und nahmen wenig- 
stens durch Erglühen für dessen hohes Streben 
daran Anteil»! 
103. Franz Müller formulierte die Ziele des 
Vereins wie folgt (BayHStA MA 1051): «Vereini- 
gung aller Deutschen ohne Rücksicht auf Ver- 
schiedenheit der Stämme und Staaten, einen 
engen Verband zwischen den Völkern und den 
Fürsten untereinander, und zwischen Fürst 
und Volk zur Erstrebung der einzigen ächten 
Souveränität, der wahren Volksfreiheit, nem- 
lich der Befreyung von allem störenden frem- 
den Einflusse auf die Regierung». Sie kämpften 
gegen die alten Fehler «des Trunkes, des Duel- 
lierens und der Entzweiung» und sie wollten 
«durch Erziehung auf den Nationalsinn der 
Deutschen einwirken» — also genau das, was 
Peter Kaiser bei Fellenberg zu verwirklichen 
suchte. 
104. Peter Kaiser führte allerdings kein 
Tagebuch. Die Ausdrücke Karl Baders in des- 
sen Tagebuch konnte sich der Referent der 
Mainzer Untersuchungskommission nur mit 
einerunglücklichen Liebschaft erklären; Bader 
habe versucht, «seine Sinnlichkeit mit politi- 
schen Ideen zu bekämpfen»! 
105. BayHStA MA 7717/1, f. 14. 
106. O. OPPERMANN: Burschenschaftliche 
Bewegung in Freiburg, S. 193 f. — WENTZCKE: 
Freiburger Burschenschaft, S. 33, 37 ff., 51 ff. 
107. Paul WENTZCKE, S. 12, zit. nach ALL- 
GÄUER: Kaiser, S. 23. — Zusammenfassungen 
der Briefe Kaisers an Karl Bader in den Einzel-
	        

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