Volltext: Peter Kaiser

   
Italienreise 
chend wurde Martin Wikosch 1811, als Peter Kaiser schon in Wien war, 
ausdrücklich angewiesen, seine Darstellung nicht immer ein Jahrhundert 
zu früh zu schliessen, «weil gerade der neueste Teil der Geschichte den 
Schülern zu ihren künftigen bürgerlichen Lebens- und Amtsverhältnissen 
den eigentlich praktischen Nutzen gewährt».”® Die Mahnung wiederholte 
sich 1813.57 
Neben der Beschäftigung mit den Pflichtfächern hat sich Kaiser während 
der Wiener Gymnasialzeit auf privater Basis in den romanischen Sprachen 
weitergebildet; — Italienisch lernte er kostenlos bei einem im gleichen 
Haus wohnhaften Italiener?? Durch die systematisch betriebene Konver- 
sation mit einem Engländer, welchem die deutsche Sprache wenig gelàu- 
fig war, lernte er ausserdem «mit vieler Mühe auch englisch»,” worin er zu 
beachtlichen Kenntnissen gelangte. Peter Kaiser spielte zudem die Flöte. 
Über seinen Studiengang und seine weiteren Unternehmungen in Wien 
sind wir im einzelnen nicht unterrichtet. Wie jedoch sein späterer Freibur- 
ger Studienfreund, der Publizist, Historiker und Bibliothekar Ernst 
Münch in seinen Lebenserinnerungen überliefert,? machte Kaiser noch 
während seiner Wiener Zeit in Begleitung eines Engländers eine Reise 
durch Italien.5! Sie müsste in der Zeit zwischen Herbst 1815 bis zur Imma- 
trikulation in Freiburg im Breisgau im November 1817 stattgefunden 
haben, in den fast zwei Jahren also, über welche keinerlei Informationen 
über Kaisers Lebensweg vorliegen. Aus den Quellen wird nicht einmal 
ersichtlich, wie weit Kaisers Studien bis zur Abreise aus Wien gediehen 
waren. Dass er sie abgeschlossen hat, ist wenig wahrscheinlich. 
Eine solche Bildungsreise nach Italien, die üblicherweise mehrere Monate 
in Anspruch nahm, hátte ganz dem Zeitgefühl und auch Kaisers intellek- 
tuellen und persónlichen Interessen entsprochen. Man hat sich in Erinne- 
  
56. Zit. nach A. LHOTSKY: Geschichte des 
Instituts für Österreichische Geschichtsfor- 
schung 1854—1954. Graz 1954 (= Mitteilungen 
des Instituts für österreichische Geschichtsfor- 
schung, Erg.bd. XVII, Festgabe zur Hundert- 
Jahr-Feier des Instituts), S. 225. — MATIASEK: 
Geschichtsunterricht, S. 29. 
57. MATIASEK: Geschichtsunterricht, S. 29. 
— Zu Martin Wikosch vgl. auch die Arbeit von 
Elisabeth GÜRTLER: Studium, Bd. 2, S. 250— 
252; S. 310 wird Peter Kaiser als ein «bekannt 
gewordener Student» von Wikosch angeführt. 
— Diesen und weitere Hinweise zu Kaisers 
Wienerzeit gab frdl. Jürgen Schremser/Wien. — 
Siehe auch Silvia ADAMEK: Der Lehrkórper 
der philosophischen Fakultät von 1800 bis 
1848. Diss. Wien 1984. 
58. ALLGÄUER: Kaiser, S. 12. 
59. Kaiser an Jakob Kaiser, Brief vom 
11. August 1814; zit. nach KIND: Kaiser, S. 11. 
  
60. Ernst Münch 1798—1841, aus dem aar- 
gauischen Rheinfelden, Lehrtátigkeiten in 
Aarau, an den Universitáten Freiburg im Breis- 
gau und Lüttich (Geschichte), Bibliothekar in 
Haag und in Stuttgart, reiche publizistische 
Tätigkeit. — MÜNCH: Erinnerungen, Bd. 1, 
S. 253 ff. — ALLGAUER: Kaiser, S. 12 ff., 15, 
Anm. — Paulhelmut SAXLER: Ernst Münch, 
Historiker und Publizist 1798—1841. Mainz 
1956. dm 
61. Quellenbeleg auch bei ALLGAUER: Kai- 
ser, S. 12 ff, 15, Anm. 18. 
62. Vgl. etwa Friedrich NOACK: Deutsches 
Leben in Rom 1700 bis 1900. Stuttgart 1907. — 
Friedrich NOACK: Das Deutschtum in Rom 
seit dem Ausgang des Mittelalters (2. Bde.). 
Stuttgart 1927. (Neudruck Aalen 1974). — Klas- 
sizismus und Romantik in Deutschland (Kata- 
log). Nürnberg 1966, S. 46 ff. — Kunstwissen- 
schaftliches Jahrbuch der Górresgesellschaft 1 
  
	        

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