Volltext: Peter Kaiser

  
Forderungen 
verfasste Adresse an den Landesfürsten. Sie drückte das Begehren nach 
der früher vorhandenen Freiheit aus, die «unter der Last eines neuen 
Bevormundungs- und Verwaltungssystems» verschwunden sei, weiter die 
Gewährung einer freieren Verfassung und der Entlastung des Grund- 
eigentums — in der Summe den Wunsch, «in Zukunft als Bürger und nicht 
als Unterthanen» behandelt zu werden.?? In politischer Hinsicht verlang- 
ten die Ausschüsse neben einer neuen Verfassung die Neufassung der 
Gemeindeordnung, die Einschränkung der Bürokratie, die Einstellung 
von Inländern oder wenigstens Personen aus dem «freieren deutschen 
Bundesgebiet» — also nicht aus Österreich — sowie die «Volksbewaff- 
nung». Materiell sprachen sie unter anderem die Aufhebung der Feudal- 
lasten an, zudem die Ablösung der Zehnten, freie Jagd und Fischerei und 
die Einrichtung von Zoll und Weggeld als Landesregalien. Die Forderun- 
gen betrafen demnach die Bereiche Freiheitsrechte, Mitbestimmung und 
Selbstverwaltung. Eine liechtensteinische Verfassung sollte auf der Basis 
der damals formulierten deutschen Grundrechte beruhen.“ 
Nachdem Fürst Alois II. eine Verfassung und das Zugeständnis damit ver- 
bundener Rechte in Aussicht gestellt hatte, verdeutlichten die Ausschüsse 
am 24. März 1848 ihre Forderungen in einer zweiten, ebenfalls von Peter 
Kaiser entworfenen Adresse. Die Verwaltung sollte mit Leuten besetzt 
werden, die das Vertrauen des Volkes besässen. Man verlangte «einfache, 
wenig kostspielige und freie Formen», weil die Monarchie in der gegebe- 
nen Art für das Land finanziell nicht tragbar sei. Ein besseres Schulwesen, 
Gedanken der sozialen Gerechtigkeit, das Verlangen nach vermehrter 
Partnerschaft zwischen Fürst und Volk waren weitere Punkte.“*°! Im gan- 
zen betrachtet waren die Begehren vom März 1848 durchaus revolutionär, 
jedoch — wie Landvogt Johann Michael Menzinger zutreffend bemerkte 
399. Die Adresse wird referiert bei GEIGER: sches Prinzip und demokratisches Recht in der 
  
Geschichte Liechtensteins 1848—1866, S. 60 ff., 
— Zur Sache auch GEIGER: Politisches Wirken 
P. Kaisers, S. 33, und DERS.: Erzieher, Histori- 
ker, Revolutionàár, S.37. — Ein Entwurf der 
Adresse liegt im Liechtensteinischen Landes- 
archiv, LLA Schádler Akten ad 264. 
400. Zu den zentralen Problemen der deut- 
schen Verfassungsentwicklung, der verfas- 
sungspolitischen Vielfalt Deutschlands vgl. 
nun Dieter GRIMM: Deutsche Verfassungsge- 
schichte, 1776—1866. Vom Beginn des moder- 
nen Verfassungsstaats bis zur Auflösung des 
deutschen Bundes. Frankfurt/Main 1988; zur 
Verfassungsentwicklung im Vormárz, S. 142 ff., 
zur Paulskirche, S. 175 ff. — Zur Entwicklung 
der liechtensteinischen Volksrechte vgl. die 
Arbeiten von QUADERER und GEIGER, IN: 
Liechtenstein Politische Schriften, Bd. 8 (1981). 
— Nun auch Alexander IGNOR: Monarchi- 
liechtensteinischen Verfassungsentwicklung. 
IN: Liechtenstein — Fürstl. Haus und staatl. 
Ordnung, S. 465—485 (mit Literatur). 
401. Referiert bei GEIGER: Geschichte 
Liechtensteins 1848—1866, S. 65 ff. 
 
	        

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