Seite 88 Rückstellungen - Bestimmung der Höhe
Wie kann und soll man nun im Einzelfall vorgehen? Um die wahr-
scheinliche Höhe der drohenden Geld-, Güter- und / oder Leistungsabgänge
sowie die Wahrscheinlichkeit ihres tatsächlichen Eintretens ermitteln kann,
muss man auf die konkreten Umstände des Einzelfalles eingehen. Damit eine
umfassende Beurteilung möglich ist, müssen nebst dem Inventar alle anderen
Informationsquellen ausgeschöpft und alle massgeblichen Unterlagen beigezo-
gen werden. Falls die Höhe einer Rückstellung nur durch eine Schätzung
bestimmt werden kann, sollten hiezu möglichst nur Erfahrungswerte aus der
Vergangenheit verwendet werden. Sollten derartige Vergangenheitswerte im
eigenen Unternehmen nicht eruierbar sein, dann können durchaus auch Erfah-
rungswerte anderer Unternehmen beigezogen werden.
Gemäss Leffson''® sind bei der Bemessung der notwendigen Rückstel-
lungshöhe folgende Punkte zu beachten:
e die wahrscheinliche Hóhe einzelner drohender Geld-, Güter- und
Leistungsabgánge sowie
e die Wahrscheinlichkeit des Eintritts der befürchteten Erreignisse
bei einer Mehrzahl von gleichartigen Risiken.
Ist zum Beispiel der Bestand eines Geld-, Güter- und / oder
Leistungsabganges ungewiss, dann stellt sich die Frage, in welcher Hóhe die
entsprechende Rückstellung zu passivieren ist. Sofern nicht eine Vielzahl von
gleichartigen Risiken vorhanden ist, empfehlen Knobbe-Keuk''' für diesen Fall
die Rückstellung des vollen Betrages des mutmasslichen Geld-, Güter- und /
oder Leistungsabganges, und nicht bloss in Hóhe der Eintrittswahrscheinlich-
keit des absehbaren Risikos. Zu passivieren ist somit für jedes Risiko immer nur
der pessimistischste Wert, d.h. der aufgrund der wahrscheinlichsten Annahmen
am hóchsten ermittelte Betrag.
110 Leffson, Grundsätze ordnungsgemässer Buchführung, Seite 480ff
111 Knobbe-Keuk, Bilanz- und Unternehmenssteuerrecht, Seite 213