Volltext: Nach Amerika!

  
In Genf hatte ich verschiedene Familien, bei denen ich diente. Als 
einer der Väter «meiner Babys» aus beruflichen Gründen für zwei Jah- 
re nach New York musste, fragte die Familie mich, ob ich mitkäme. Ich 
kannte die Leute und fühlte mich wohl bei ihnen. So war das eine 
grossartige Gelegenheit für mich, nach Amerika zu kommen. 
Schon zwei Wochen vorher nahm ich Abschied von zu Hause. Es 
fiel mir gar nicht schwer. Dann half ich der Familie beim Packen und 
der grosse Tag kam. Der Flug war lang. Immer wenn ich vorher eine 
lange Reise gemacht hatte — mit dem Zug —, war es über Nacht gewe- 
sen. Ich war dann alleine und schlief. Doch auf dieser Reise war ich 
verantwortlich für das Wohlsein eines einjáhrigen Kindes. Das Flug- 
zeug war riesig (eine 747) und gestossen voll. Von da an erschien mir 
alles riesig. Der Flugplatz, wo wir ankamen, die Distanzen, die Auto- 
bahnen und auch die meisten Autos. Ich war überwältigt. 
Wir kamen zu diesem Bungalow inmitten eines Waldes mit Aussicht 
aufs Meer. Der Privatstrand war nur etwa fünfzig Meter vom Haus ent- 
fernt. Mein Bett war auch doppelt so gross wie meines zu Hause, mit 
einem Baldachin. Auch der Kleiderschrank war so gross, dass man 
hineinstehen konnte. Ich habe dann aber später erfahren, dass nicht 
alle Häuser so grosszügig gebaut sind. 
Ich fühlte mich bald zuhause. Meine Leute mussten sich ja auch 
zuerst zurechtfinden. So fuhren wir jedes Wochenende irgendwohin, 
wir gingen oft zusammen einkaufen. Bald waren wir mit Macy’s, Bloo- 
mingdale’s, Sears und all den andern grossen Geschäften gut vertraut. 
An meinen freien Tagen hatte ich das Auto zur Verfügung, ein riesiger 
Buick Kombiwagen. Alles darin war automatisch, Fenster, Verriege- 
lung der Türen, Sitzverstellung, und das Auto hatte natürlich auch eine 
Klimaanlage. Ich fuhr oft in der Gegend herum, verirrte mich manch- 
mal, doch ich fand mich bald wieder zurecht. So sah ich dann viele 
neue Orte, ohne dass ich es geplant hätte. 
Wir waren im November angekommen, sodass wir zunächst von 
der Klimaanlage keinen Gebrauch machen mussten, doch im Sommer 
lernten wir dann, dass man ohne kaum auskommen kann. Da wir das 
Haus nicht total gekühlt hatten, fuhren wir oft aus, nur um nicht leiden 
zu müssen in der feuchten Hitze. Es schien mir alles übertrieben, 
selbst wenn ein Unwetter kam, war es nicht wie bei uns. Es war zehn- 
mal stärker und richtete grosse Schäden an. Wir hatten in dieser Zeit 
einen Eissturm, die Bäume waren wie in Glas gehüllt, und für drei 
oder vier Tage hatten wir keinen Strom. Zum Glück konnten wir bei 
Bekannten in der Nähe wohnen. 
Ich lernte auch die Leute in der Nachbarschaft kennen, mir schien, 
es waren auffallend freundliche Leute. Man kam sehr leicht ins Ge- 
spräch, und wenn man sich das zweite Mal traf, wurde man wie eine 
Rodney-Wanger 285 
 
	        

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