Volltext: Nach Amerika!

  
Peter Brunhart 
La Paz, Bolivien 
  
Peter Brunhart und seine 
Frau Juana Ambia bei 
einem Besuch in Balzers 
  
  
«Sind die Leute etwa viel anders als wir?» 
Ich wollte immer Missionar werden. Meine erste Motivati- 
on zum Auswandern war also religiös, allerdings verschob 
sich diese während des Theologiestudiums und wurde 
immer politisch-sozialer. Dazu kam, dass ich nicht mehr 
daran dachte, Priester zu werden. Aber immer sah ich 
mein Leben in einem Land der Dritten Welt. 
Ich bewarb mich bei den Immenseer Missionaren für 
einen Einsatz als Entwicklungshelfer. Da in einem Projekt 
in Peru ein Platz frei war, ging ich dorthin. Lateinamerika 
und Peru waren also nicht meine Wahl, aber ich war den- 
noch froh, dass es ein lateinamerikanisches Land war, 
denn Spanisch zu lernen traute ich mir eher zu als Mbun- 
du, Kishueli oder irgendeine andere afrikanische oder 
asiatische Sprache. Mit 28 Jahren war es dann soweit. 
Nach einem Sprachkurs in Spanien schifften wir uns in 
Genua für die Reise nach Peru ein. Wir, das heisst zwei 
Immenseer Patres, meine Ehefrau und ich. Nach drei- 
wöchiger Überfahrt, auf der ich drei Wochen lang see- 
krank war, landeten wir in Callao. Am Zoll merkten wir nichts vom 
südamerikanischen Bürokratismus, alles ging husch husch, denn in 
jener Zeit war gerade nächtliche Ausgangssperre, und alle pressierten, 
um noch rechtzeitig nach Hause zu kommen. Diese Ausgangssperren, 
die dem ganzen Volk zu ausreichendem Schlaf verhelfen, habe ich 
noch oft erlebt. Wir machten in Lima einen weiteren Sprachkurs und 
lebten uns langsam ein. Natürlich hatten wir alle einen Kulturschock, 
aber da wir in der Schweiz gut darauf vorbereitet worden waren, 
konnten wir damit umgehen, und es gab keine weiteren Probleme. 
Probleme gab es hingegen in meiner Ehe, die mit der Heimreise 
meiner Frau, der darauf folgenden Scheidung und mit meinem Aus- 
scheiden aus dem Projekt endeten. Meine Motivation, doch noch etwas 
Sinnvolles für Peru zu leisten, war aber immer noch vorhanden, und 
so blieb ich auf eigene Faust. Die folgenden Jahre waren eher ein Her- 
umhängen. Ich schlug mich als Schreiner, Deutschlehrer und als Mit- 
arbeiter in einem Entwicklungsprojekt durch. Ich merkte, dass ich 
nichts nützte in Peru und dachte daran zurückzukehren. Aber in die- 
ser Zeit lernte ich meine jetzige Frau Juana kennen, die mir Perspekti- 
ven eröffnete in einer politischen-sozialen Arbeit. Meine Motivation 
war wieder da. Ich gründete eine Exportfirma und arbeitete auch in 
verschiedensten sozialen Projekten mit, die der LED (Liechtensteini- 
scher Entwicklungsdienst) und andere Entwicklungsorganisationen 
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