Volltext: Nach Amerika!

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in Amerika anders, freier, vernünftiger und erfreulicher. In den USA, 
wo Staat und Kirche getrennt sind, redet und fungiert der eine dem 
anderen nicht ins Geschäft. Pfarrer und Gläubige sind voneinander 
abhängig, die Pfarrei muss ihre Auslagen selber finanzieren, so ist ein 
gutes Arbeitsverhältnis vorhanden. Die Ehre des Priesters liegt in sei- 
ner Würdigung des Volkes. Die Gottesdienste sind sonntags und werk- 
tags gut besucht. Die Leute kommen und sind hungrig nach Religion 
und praktizieren sie auch im Alltag. 
Ist Ihnen die Assimilation leicht gefallen, oder haben Sie sich schwer 
getan? 
Ich benötigte fünf Jahre, bis ich mich zu Hause fühlte. Anspruchsvoll 
ist das Leben überall, so auch in Amerika. Wer sich aber bemüht, wird 
auch belohnt - ich denke, in den USA oft besser als anderswo. Jeder- 
mann wird geachtet, denn viele sind eben auch Einwanderer oder 
stammen von Einwanderern ab. Viele tragen denselben Schuh, sagt 
man hierzulande. 
Haben Sie die Brüuche aus Ihrer Heimat beibehalten? 
Da so viel verschiedene religiöse Gemeinschaften in Amerika blühen — 
«Freiheit für alle» -, lebt der Gláubige in einer Art Diaspora und pflegt 
solche Gebráuche und Feste im Kreis der Familie oder seiner Gemein- 
schaft. Der Staat freut sich über solche Festlichkeiten und Gebráuche, 
wenn sie nicht die Freiheit und Lebensweise anderer behindern. 
Was haben Sie gearbeitet und wie haben Sie sich im Berufsleben 
zurechtgefunden ? 
Positiv in jeder Beziehung: Als Kaplan in verschiedenen Pfarreien lern- 
te ich viel und als Pfarrer von zwei Pfarreien lernte ich noch mehr. Das 
Leben ist eine Dauerberufsschule. 1957 bis 1966 war ich Pfarrer an 
der St. Stephen's Kirche in Los Angeles. Diese Pfarrei ist eine ethnisch- 
national geprägte Kirche mit ungarischen, deutschen und spanischen 
Gläubigen neben Amerikanern und einer Handvoll von Schwarzen. Da 
gab es viel zu tun, ohne Ende in Sicht. Ich war damals noch jung und 
konnte es schaffen. Viele Einwanderer sind altertümliche Gebräuche 
gewohnt und benötigten einen Ort, wo sie frei sich bewegen können, 
hauptsächlich in sprachlicher Hinsicht. Viele Gläubige kamen von weit 
her für Gottesdienste und gemütliches Beisammensein in der Pfarrhal- 
le. Ich war Gründer und von 1966 bis 1992 erster Pfarrer der Herz- 
Jesu Kirche in Ventura, sechzig Meilen nördlich von Los Angeles. 1966 
waren es 2’800 Seelen, heute sind es 15’500 Gläubige, die zur Pfarrei 
gehören. In Ventura baute ich mit den Pfarreimitgliedern eine Kirche, 
Schule, Pfarrhaus, Pfarrhalle und Parkplätze für 300 Autos. Die Pfarr- 
Biedermann 231 
 
	        

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