Volltext: Nach Amerika!

Joachim Batliner «Warum gerade ich? Warum musste ich scheiden?» 
Elias Wille aus Balzers in Kalifornien 
Elias Wille, der über sechzig Jahre lang in San Fran- 
cisco lebte, muss sich diese Frage wohl fast sein 
ganzes Leben lang gestellt haben. Bereits pensioniert, 
sinniert er 1952 in seiner Schrift «Von Heimat zu Hei- 
mat»: «Ich bin Auswanderer und verliess meine Hei- 
mat, das romantische kleine Fürstentum Liechten- 
stein, April 18. 1906.»! Elias Wille nannte sich zeit sei- 
nes Lebens einen Auswanderer, orientierte sich aber 
emotional stárker zur von ihm verlassenen Heimat hin 
als zu jenem Land, in welchem er Einwanderer war. 
Amerika hatte ihn zwar adoptiert, aufgenommen und 
ihm eine materielle Existenz angeboten, was ihm 
Liechtenstein 1906 nicht hatte geben kónnen. Aber 
das reichte wohl nicht. Sein Leben spielte sich ab in 
  
zwei Welten, im konkreten Alltag in Amerika und im 
Kopf (Herzen?) in Liechtenstein, nach dem er noch 
fünfzig Jahre nach der Auswanderung Heimweh hatte. 
Elias Wille wurde am 29. Februar des Schaltjahrs 1880 in Balzers ge- 
boren. Er wuchs als drittjüngstes Kind zwischen fünf Geschwistern 
und einem Halbbruder aus der ersten Ehe seines Vaters Anton im 
«Tappeinerhaus» und - nach dem vierten Altersjahr - in der Iradug in 
Máls auf. Nach seiner Lehre als Schuhmacher bei Gebhard Frick in 
Schaan arbeitete er ein Jahr lang als Geselle im Kanton Zürich und 
versuchte dann, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Allein das Geschäft 
war nicht einträglich genug, er musste sich noch nach anderen Ein- 
nahmen umsehen und arbeitete als Mesmer in Mariahilf. Dennoch 
wollte sich die wirtschaftliche Not nicht abwenden lassen: «Als ich 
nach etwa sechs Jahren der Meisterschaft als gelernter Schuhmacher 
Ahle und Hammer beiseite legte und mir Rechenschaft gab von meiner 
Verwaltung, kam ich zu dem Entschluss, das es besser sei für mich, 
mein Fiasko als Geschüftsmann anzuerkennen und Schluss zu 
machen.»? Es habe zwar genug Arbeit gegeben, aber er sei nicht fáhig 
gewesen, bei seinen Kunden das Geld mit derselben Hárte einzutrei- 
ben, wie es sein Lederlieferant bei ihm getan hatte. 
Amerika! - Das war für Elias Wille «das Land der unbegrenzten 
Möglichkeiten, das Land, das von Milch und Honig fliesst und das 
Land der Indianer, von denen ich in den von Karl May verfassten 
Schriften so viel Zauberisches las.»? 
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