Volltext: Nach Amerika!

   
  
IV. Der amerikanische Bürgerkrieg 
Die amerikanische Nation war noch nicht einmal ein Jahrhundert alt, 
als sie ihre erste Zerreissprobe zu bestehen hatte. Ihre Ursache lag in 
der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung der Nord- und 
Südstaaten und entzündete sich an der Frage der Sklaverei. Schon im 
18. Jahrhundert war der Arbeitskräftebedarf in den südlichen Baum- 
woll- und Tabakplantagen durch Sklavenimporte aus Afrika gedeckt 
worden. 1794 hatte Eli Whitney eine Maschine erfunden, mit der sich 
die Samenkapseln aus der Baumwolle mechanisch entfernen liessen — 
eine Arbeit, die bisher von Sklavenhand verrichtet worden war. Whit- 
neys Erfindung führte aber nicht zu einem Rückgang der Sklavenhal- 
tung, sondern zu einem ungeahnten Boom im Baumwollanbau, der 
immer mehr Sklaven notwendig machte. 
Anfünge des Nord-Süd-Konflikts 
Die im bevólkerungsarmen Süden vorherrschende Plantagenwirt- 
schaft hatte aristokratische Gesellschaftsstrukturen wachsen lassen, 
wührend im Norden, wo die Einwanderer aus Europa zu Tausenden 
ins Land strómten, vor allem die unabhängige bäuerliche Farmwirt- 
schaft sowie Handel und Industrie blühten und einen besseren Náhr- 
boden für die Entwicklung von Freiheit und Demokratie bildeten. 
Nachdem der Kongress 1808 die Einfuhr von Sklaven verboten hat- 
te, brach der Konflikt um die Sklavenhaltung erstmals 1820 nach der 
Aufnahme der neuen Bundesstaaten Louisiana, Indiana, Mississippi, 
Illinois, Alabama, Maine und Missouri aus; im sogenannten Missouri- 
Kompromiss wurden zwólf sklavenfreie Nordstaaten und zwölf skla- 
venhaltende Südstaaten vereinbart. Doch bereits 1848 kam es nach 
dem Krieg gegen Mexiko zu neuen Auseinandersetzungen. Der Norden 
forderte, die neu gewonnenen Gebiete — Texas, Kalifornien, Neumexi- 
ko und Utah - sklavenfrei zu halten, der Süden widersetzte sich. 
Schliesslich entschied der Kongress, Kalifornien als freien Staat aufzu- 
nehmen, wührend Texas das Sklavensystem beibehalten konnte. Die 
beiden anderen Staaten sollten selbstándig über die Sklavenfrage ent- 
scheiden. 
Damit war das labile Gleichgewicht, das man im Missouri-Kompro- 
miss ausgehandelt hatte, gefáhrdet. Den Zorn der Südstaatler erregte 
zudem die Tatsache, dass Tausende geflohener Sklaven im Norden 
Zuflucht gefunden hatten. Der Konflikt eskalierte: 1852 erschien mit 
dem Roman «Onkel Toms Hütte» von Harriet Beecher-Stowe ein Mani- 
fest gegen die Sklaverei, 1854 sammelten sich die Gegner der Sklave- 
38 Auswanderung im 19. Jahrhundert 
  
 
	        

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