Volltext: Nach Amerika!

Eine junge, geheimnisvoll-schöne Schwedin, wie Hermine Jahrgang 
1905, wird von Luis B. Mayer nach Hollywood geholt und feiert 1926 
als Greta Garbo einen Grosserfolg im Film «The Torrent» («Der 
Sturm»). Auch sie ist die Tochter armer Arbeiter, hat jedoch schon in 
Schweden in einigen Filmen gespielt. Es ist der Beginn einer Ära, in 
denen schöne Frauen auf der Leinwand einen göttlichen Nimbus 
erhalten. Sie scheinen überirdisch zu sein, von den Sternen zu kom- 
men, aber ihre Landung ist bestens organisiert: Das Star System er- 
nährt und zementiert in der Filmwelt die weltweite Vormachtstellung 
Hollywoods. 
Schön und jung ist auch Hermine. Dass sie aus armen Verhältnis- 
sen kommt, unterscheidet sie nicht von den hoffnungsvoll heran- 
schwärmenden jungen Leuten, die in der Traumfabrik mitspinnen 
möchten. Schon kurz nach ihrer Ankunft gelangt Hermine in verschie- 
dene Kreise mit religiösem Hintergrund. Nach einem Vortrag von Mia 
Hayworth zu einem metaphysischen Thema lernt sie beim anschlies- 
senden Empfang ihren zukünftigen Mann Miguel Contreras Torres 
kennen. Religiosität und Vertrauen in Gottes Fürsorge waren ihr von 
zu Hause mitgegeben worden. «Du stehst unter Gottes Schutz», mit 
diesen Worten, so erinnert sich Hermine, hatte ihre Mutter sie verab- 
schiedet. 
Von ihrer Mutter sagt sie weiter, dass sie eine wunderbare, kluge 
Frau gewesen sei. Jedes ihrer neun Kinder habe von ihr bekommen, 
was es gebraucht habe. Liebe sei eine Sache der Anerkennung, nicht 
der Intelligenz. Ihre Mutter, Amalie Futscher aus dem vorarlbergi- 
schen Frastanz, hatte ihr auch den österreichischen Hintergrund mit- 
gegeben, den sie später als Darstellerin der Kaiserin Carlota in den Fil- 
men ihres Mannes herauskehrte. Charlotte war Belgierin, aber die 
Gemahlin des habsburgischen Kaisers Maximilian. Austriaca (Öster- 
reicherin), und damit — warum auch nicht? — im Film wie auch im 
wirklichen Leben eine Condesa (Gräfin) zu sein, hat Hermines Image 
gefördert und ihrer Karriere gedient. Miguel Contreras Torres hat sie, 
wie es scheint, nach dem erfolgreichen hollywoodschen Star System 
«aufgebaut». Als Kaiserin oder vielmehr «Mama Carlota» mit einem 
eigenen Auftrittssong («Adios, mamd Carlota») personifiziert sie im 
mexikanischen Bewusstsein bis heute die Frau Maximilians. 
Als ich sie nach den ersten Jahren in Hollywood frage, meint sie zu 
Recht: «Ach, das ist alles schon so lange her.» Überlassen wir deshalb 
das Wort dem Filmdokumentaristen Emilio Garcia Riera: 1930, fünf 
Jahre nach ihrer Ankunft gehört sie zu einer der Darstellerinnen im 
Film «Sofiadores de la gloria» von Miguel Contreras Torres und Alfred 
T. Mannon. García Riera: «Zwei Damen teilten das heroische Schick- 
sal ihrer Münner: Eine war die brasilianische Schauspielerin Lia Torá 
Kindle de Contreras Torres 97 
 
	        

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