Volltext: Nach Amerika!

in den USA gegenüber, der Sicherheit und Arbeit garantierte, aber 
offenbar tiefe emotionale Bedürfnisse nicht befriedigen konnte, Be- 
dürfnisse, die schon in der Heimat existiert hatten. Denn auch das 
Kind Elwina scheint eine Wanderin zwischen zwei Welten gewesen zu 
sein - zwischen derjenigen des durch Mangel beengenden Familienle- 
bens und der Welt der Bauern und ihrer Tiere. 
«Auf Matschels bin ich aufgewachsen. Das Haus steht zwar immer 
noch, aber es ist so veründert, dass ich nicht mehr hingehe, das ist 
nicht mehr mein Elternhaus. Der ganze «Bücheb war einfach «Mat- 
schels». Das nüchste Nachbarhaus war der Meierhof, ein Doppelhaus 
mit den Familien Kindle und Nigg. Der Weiherstall unten, der der 
Spoerry-Fabrik gehórte, war voller Kühe. Dort haben wir die Milch ge- 
holt. Ich habe mich immer beeilt, früh genug nach dem Melken unten 
zu sein, bevor sie die Milch zur Fabrik brachten. Sonst hätte ich nach 
Triesen gehen müssen, um sie zu kaufen. Zur Fabrik herunter sind die 
Triesenbergerinnen zu Fuss gekommen und haben unterwegs ge- 
strickt. Und so sind sie am Abend auch wieder zurückgekehrt. 
Ich bin im alten Schulhaus zur Schule gegangen. Am Mittag habe 
ich bei Bauern gegessen. Das Schulhaus hatte hohe Fenster. Ich weiss 
nicht, warum man es abgerissen hat. Viele Generationen vor und nach 
mir haben dort gelernt. 
Damals hatte man Zeit. «Komm i hót ned komm i morm. Man sass 
auf dem «Benkli» und am Brunnen. Im Dorf holten die Frauen das Was- 
ser beim Brunnen. Auf Matschels hatten wir ein Rohr mit fliessendem 
Wasser im Haus. 
Ich hatte Tiere immer gern, und deshalb hielt ich mich auch gern 
bei den Bauern auf. Man war gut zu den Tieren. Nur ein Triesenberger 
hat sie grob behandelt, «Schinderlig» habe ich ihn getauft. «Er hani ned 
möga>. Kühe, oder auch Ochsen, hat man als Zugtiere vor die Wagen 
gespannt. Die Kühe waren schneller, «eni hend wella hànv. 
Ich bin auch als «Veseter gegangen. Im Hdlos® brauchten sie je- 
manden, der die Kühe hütete und um sie auf dem Platz zusammenzu- 
treiben. Man ging über den Steinbruch auf Matruela, von Matruela in 
die Lawena und den Wang. Dorthin bringt man vor allem das Galt- 
vieh?, die Kühe gehen in die Valüna. Auf Matruela gehen sie jetzt noch 
mit dem Hirt. Man ist auch Forst gefahren; das heisst, man trieb das 
Vieh, vor allem das Galtvieh, in die Waldweide. Mein Bruder war Hirt, 
mit ihm verbrachte ich einmal einen Sommer lang auf der Alp Wang. 
Herunter kam ich nur, um Brot oder Mehl zu holen. Jetzt fliegen sie 
mit dem Helikopter hin und her, man hat heute das Geld dafür. Wir 
haben über dem Stall im Heu geschlafen. Gewaschen hat man sich 
nicht viel, es gab nur einen Brunnen vor der Hütte; als ich nach die- 
sem Sommer heimkam, «bini gschtanda vor Dreck» und war braunge- 
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