Volltext: Nach Amerika!

  
   
allzu grosses Risiko mehr. Die nach dem Besuch geschriebenen Briefe 
klangen vielversprechend. John schrieb seinem Cousin Martin nach 
der Rückkehr: «Logansport, 16. Dezember 1874 — Lieber Cousin Mar- 
tin! Vater war letzten Sonntag in Wabash. Albert (der Bruder von Mar- 
tin, R.T.) sagte ihm, dass du gerne einen englischen Brief von mir 
möchtest. So dachte ich, ich werde dir schreiben. Ich habe Albert 
selbst nur einmal gesehen, seit wir wieder zuhause sind. Ich war so 
beschäftigt, dass ich keine Zeit hatte, nach Wabash zu gehen. Wir 
kamen alle sicher nach Hause. Ich kann dir versichern, dass ich froh 
war, wieder nach Hause zu kommen und alle mein alten Freunde wie- 
derzusehen, die mich alle herzlich begrüssten. Besonders hiessen 
mich meine Freundinnen willkommen. Ich hatte seither eine tolle Zeit. 
Schon eine Woche nach meiner Rückkehr war ich wieder in Geschäften 
unterwegs. Ich begann für denselben Mann zu arbeiten, bei welchem 
ich schon vor meiner Reise war. Und er wollte nicht, dass ich so lange 
zuwartete mit der Arbeit, wie ich vorhatte. Er wünschte, dass ich 
gleich nach meiner Rückkehr wieder beginne. Aber ich wollte herum- 
gehen und meine alten Freunde sehen, bevor ich wieder an die Arbeit 
ginge. Du kannst dir nicht vorstellen, wieviel Fragen man mir stellte, 
als ich zurückkam. Wie es mir gefiel, wie alles aussähe. Einige dach- 
ten, dass ich für ein oder zwei Jahre ausbleiben würde, aber ich sagte 
ihnen, dass ich keinen Platz gefunden hätte, der mir lieber wäre als 
die Vereinigten Staaten. Seit meiner Rückkehr war ich ständig unter- 
wegs und ich kam nicht länger als für zwei Wochen nach Hause. Schon 
oft wünschte ich, dass du hier wärest. Ich bin mir fast sicher, dass du 
hier mehr Erfolg hättest als dort, wo du jetzt bist. Ich weiss nicht, wie 
es Albert jetzt hier gefällt. Aber er war nicht sonderlich beeindruckt 
bei seiner Ankunft in New York. Er dachte, er wollte eher wieder nach 
Hause. Vater sagte mir, dass du eine Stelle hast, bei welcher du 600 
Gulden jährlich verdienst. Das ist ungefähr ein Drittel dessen, was ich 
verdiene, ich erhalte 1800 Gulden und alle meine Reisekosten ersetzt. 
Martin, ich muss nun zum Schluss kommen, und wenn du herausfin- 
dest, was ich geschrieben habe, hast du es fürs erstemal ganz gut 
gemacht. Könntest du Salzmann ausrichten, dass ich noch keine Móg- 
lichkeit hatte, seinen Freund in Chicago zu sehen? Ich denke, dass ich 
erst diesen Winter dorthin gehe. Richte meine herzlichsten Grüsse aus 
an deine Eltern, an deinen Bruder Thomas sowie an Salzmann und an 
seine Frau, an seinen Vater und seine Mutter. Auch sende ich meine 
Grüsse an dich in der Hoffnung, bald von dir zu hóren. Dein Cousin 
John Alber». 
Die beiden Cousins sollten sich zehn Jahre spáter nicht nur hóren, 
sondern auch sehen. Die Nachrichten vom wirtschaftlichen Erfolg in 
Amerika wurden zum Magneten. 
Alber 17 
 
	        

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