Volltext: Nach Amerika!

  
  
Fürst Johann I. von 
Liechtenstein (Gemälde 
von Johann Baptist 
Lampi, Sammlungen des 
Fürsten von Liechten- 
stein, Schloss Vaduz) 
dem Landvogt der Rentmeister, der Gerichtsschreiber sowie der 
Grundbuchführer ihres Amtes walteten. Das Oberamt war gleichzeitig 
erste Gerichtsinstanz, zweite Instanz war die Fürstliche Hofkanzlei in 
Wien und dritte Instanz das Oberlandesgericht für Tirol und Vorarl- 
berg in Innsbruck. Die Landstände bildeten den Landtag; der geistliche 
Stand war mit drei Abgeordneten vertreten, die elf Gemeinden mit 
ihren Ortsrichtern (Vorstehern) und Säckelmeistern.'® Rechte hatte 
dieser Landtag allerdings praktisch keine. Er trat nur einmal jährlich 
zusammen und hatte dabei das vom Fürsten vorgelegte Steuerpostulat 
anzunehmen, in dem das Steueraufkommen des Landes für das Folge- 
jahr festgelegt war. Die Abgeordneten hatten weder das Recht, das 
Steuerpostulat abzulehnen noch über dessen Höhe zu diskutieren, 
geschweige denn Vorschläge zur Gesetzgebung, zur Regierungstätig- 
keit oder zur Aussenpolitik zu machen. 
Das absolutistische Herrschaftssystem führte in der Bevölkerung zu 
tiefer Unzufriedenheit, die immer wieder in Beschwerden und offene 
Unruhen mündete. Im Juni 1809 konnte Landvogt Schuppler dank sei- 
ner Geistesgegenwart und Autorität das aufgebrachte Volk beschwich- 
tigen, dessen Zorn sich an den zu hohen Lasten sowie an der Aberken- 
nung alter Rechte in der Dienstinstruktion von 1808!” entzündet hatte. 
.1831 kam es im Zusammenhang mit der Rekrutierung des 55 Mann 
starken liechtensteinischen Militärkontingents für den Deutschen 
Bund erneut zu Auseinandersetzungen. Die Gemeinden widersetzten 
sich der Weisung des Landvogts Pokorny, Rekruten zu stellen, und ver- 
knüpften ihre Weigerung mit weiteren, von einer Deputation formu- 
lierten Begehren. Unter anderem sollten das Rekrutierungsalter auf 18 
bis 25 Jahre begrenzt und die Kosten des Militärs aus einem Darlehen 
des Fürsten finanziert werden. Im weiteren verlangte man eine Sen- 
kung der Verwaltungskosten und Gebühren sowie eine Stärkung des 
Landtags. Der Fürst sollte sich auch für eine Herabsetzung der öster- 
reichischen Zölle gegenüber Liechtenstein einsetzen. Diese und weite- 
re Forderungen wurden einer Kommission übergeben, welche Fürst 
Johann I. aufgrund der alarmierenden Berichte Pokornys nach Liech- 
tenstein entsandt hatte. Als die Antwort des Fürsten auf sich warten 
liess, schickte die Deputation ein Schreiben nach Wien, in dem die Bit- 
ten wiederholt und mit «Missgriffen und Unannehmlichkeiten» ge- 
droht wurde'®. Der Fürst reagierte scharf, verbot die Deputation und 
drohte bei weiterem Ungehorsam «das Einrücken einer angemessenen 
K. K. ósterreichischen Militárabtheilung» an. Im Frühjahr 1832 
erliess er zudem ein Untertanspatent, in dem jedermann zu «Gehor- 
sam und Unterwürfigkeit» verpflichtet wurde. Damit war die Ordnung 
zunüchst wieder hergestellt, weil die Forderungen des Volkes aber 
nicht erfüllt wurden, blieb die Gefahr weiterer Unruhen bestehen. 
Liechtenstein im 19. Jahrhundert 15 
 
	        

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