Volltext: Nach Amerika!

Alois Gassner und 
Justina Lampert heira- 
teten 1873 in Freeport 
(Illinois) und zogen 1875 
in den Staat Oregon 
(Archiv Engelbert 
Bucher) 
  
April nach New Orleans brachte. Mit an Bord waren sechs weitere 
Liechtensteiner aus Balzers.?^?? 
Im Gegensatz zu ihren Mitreisenden, die sich teilweise in Dubuque 
niederliessen, wáhlten die Auswanderer aus Triesenberg als neue Hei- 
mat die Ortschaft Freeport, die rund sechzig Meilen óstlich davon im 
Staat Illinois liegt. 1835 hatte William Baker hier als erster weisser 
Siedler einen Laden und ein Gasthaus eróffnet. Es wird ihm nachge- 
sagt, dass er ein offenes und gastfreundliches Haus führte, weshalb 
seine Frau bei einer Diskussion über die Benennung der neuen Sied- 
lung den Namen Freeport vorschlug. Die Stadt wuchs rasch: Zühlte sie 
1850 noch 1'400 Einwohner, so wuchs die Bevólkerung bis 1890 auf 
17/000 an. Sie war Bezirkshauptort von Stephenson County und ent- 
wickelte sich in den fünfziger Jahren zu einem wichtigen Eisenbahn- 
knotenpunkt, der von drei verschiedenen Gesellschaften bedient wur- 
de. 1851 óffnete die erste Bank ihre Schalter, Fabriken wurden 
gegründet, Versicherungen liessen sich nieder, Hotels und Warenháu- 
ser wurden gebaut. Freeport wurde für die Farmer der Umgebung zu 
einer wichtigen Einkaufsstadt.?** 
Warum die erste Triesenberger Auswanderergruppe gerade dieses 
Ziel wählte, ist ungewiss. Immerhin schien sie sich bereits zwei Jahre 
nach ihrer Ankunft so weit etabliert zu haben, dass ihnen weitere 
Familienangehörige folgen konnten: Es waren die Brüder Gottlieb und 
Josef sowie die verwitwete Schwester Bar- 
bara Beck-Lampert mit vier Kindern zwi- 
schen fünf und 13 Jahren. Sie hatte ihren 
Mann 1848 verloren und seither versucht, 
ihre Kinder allein durchzubringen. Nach- 
dem sich vier ihrer sechs Brüder zur Aus- 
wanderung entschieden hatten, ist es ver- 
ständlich, dass auch sie sich anschloss. Am 
14. März 1852 machte sich die siebenköpfi- 
ge Gruppe auf die Reise. Als sie nach Bal- 
zers kam, soll die fünfjährige Ursula ihre 
Mutter bereits gefragt haben: «Sind wir jetzt 
in Amerika ?»“° Die Geduld der Kleinen und 
ihrer Begleitung sollte allerdings noch auf 
eine harte Probe gestellt werden; das Schiff 
«Mobile», das sie in Le Havre für die Über- 
fahrt bestiegen, kam erst am 31. Mai - also 
79 Tage spáter — in New Orleans an; die 
Weiterreise nach Freeport dürfte weitere 
drei oder vier Wochen in Anspruch genom- 
men haben. 
Liechtensteiner in Amerika 101 
 
	        

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