Volltext: Nach Amerika!

Ein anderer tragischer Fall ereignete sich in Guttenberg, als sich zu 
Beginn des Jahres 1884 der Liechtensteiner Johann Alois Wolf erhäng- 
te, weil er offensichtlich mit dem Heimweh nicht mehr fertig geworden 
war. Wolf, der im Frühjahr 1883 ohne Familie nach Amerika gekom- 
men war, hatte sich mit Johann Boss und Daniel Seger aus Vaduz 
zusammengetan, war mit ihnen als Maurer den Sommer über von 
Baustelle zu Baustelle gezogen und hatte von jedem Lohn einen schó- 
nen Teil an seine Familie geschickt, die in Liechtenstein wahrschein- 
lich darauf wartete, bis der Vater genügend verdient hatte, um sie 
nachkommen zu lassen. Es kam nicht so weit. Wie Johann Boss in 
einem Brief an seinen Freund Anton Ammann in Vaduz schrieb, war 
Wolf seit Herbst 1883 «in Arbeit bei einem Farmer für Kost und etwas 
Lohn, wie es hier Brauch ist, sich den Winter kostenfrei durchzuschla- 
gen, was für jeden besser ist, als in der Stadt. Es ist uns auch in der 
letzten Zeit immer mehr vorgekommen als ob er an Heimweh gelitten 
hätte. Gestern (Sonntag) war Seger noch bei mir und wir sprachen 
noch von Wolf, wir haben ihn in den letzten Wochen nicht mehr gese- 
hen, und heute bekam ich die überraschende Nachricht, dass er sich 
gehenkt habe.»** 
Von Heimweh geplagt war auch Fidel Büchel. Er war im Frühjahr 
1881 mit einer Gruppe Balzner nach Guttenberg ausgewandert,“ ent- 
schloss sich aber schon im Sommer des selben Jahres wieder zur 
Rückkehr in die Heimat. Nachdem er erst seit kurzem in Amerika war 
und entsprechend wenig gespart hatte, wollte er die rund 1’800 Kilo- 
meter lange Strecke nach New York zu Fuss zurücklegen. Am 18. Juli 
1881 wurde er in der Gegend von York, knapp 200 Kilometer vor 
Philadelphia, tot neben der Bahnlinie gefunden. Todesursache und 
-umstände sind nie bekannt geworden.“ 
Communia - ein sozialistisches Experiment 
1847 sammelte sich in St. Louis (Missouri) eine Gruppe von Männern 
in der Absicht, eine gemeinsame Kolonie zu gründen. Auf der Suche 
nach geeignetem Land fuhren sie mit einem Mississippidampfer fluss- 
aufwärts bis nach Dubuque, wo sie sich mit Vorräten eindeckten, drei 
Ochsengespanne kauften und westwärts zogen. Rund 15 Kilometer 
östlich von Guttenberg fanden sie ein Gebiet, das ihren Vorstellungen 
entsprach. So kam es zur Gründung der Kolonie Communia“®, der 
auch Johann Jakob Marxer aus Schellenberg angehörte.“ 
Als erstes bauten die Männer ein Blockhaus sowie eine Schmiede 
und einige kleinere Blockhütten. Aus ihrer gemeinsamen Kasse kauf- 
ten sie 1’400 Acres Land und alles, was sie zu dessen Rodung und 
Bebauung benötigten. Die Regeln der Kolonie waren einfach: Das 
Eigentum gehörte allen, und eine Teilung konnte nur mit der Zustim- 
Liechtensteiner in Amerika 99 
 
	        

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